Der Haufen Elend

Erkältet

 

 

 

Ein Zittern erschüttert den ganzen Fleischberg, der da – unfähig, ohne Einwirkung von Außen angemessen menschlich seine Position zu verändern – auf einem Küchenstuhl liegt. Die herabhängenden Auswüchse des mittig auf dem Stuhl positionierten „Hauptklumpens“ endigen sich in fußähnlichen, durch die Hände einer mit Sorge und Liebe strickenden älteren Dame, sprich Omma, entstandenen, Wollsocken. Der Fuß selbst ist als solcher nicht mehr zu erkennen und würde sich einer Überprüfung per Wärmebildkamera problemlos entziehen.

Die Temperaturen südlich der Knöchel lassen kein Leben mehr vermuten.

Plötzlich: bis an die Zähne bewaffnete BND-NSA-KGB-Hybriede schwingen sich klirrend und wild in sehr vielen Sprachen gleichzeitig brüllend durch das nur angekippte Küchenfenster. Als man aus einem Hubschrauber mit einer sehr großen Waffe auf den Klumpen zielt und ihm versichert, seinem Elend als außerirdische Daseinsform endlich ein Ende zu machen, setzt sich der Fleischberg erschrocken in Bewegung und erhebt sich kurzerhand vom Küchenstuhl. Die Männer quieken ebenso erschrocken, lassen andächtig ihre Maschinengewehre sinken und senden folgenden Funkspruch: „Cheeeef, falscher Alarm. Wir vermuten, dass es sich doch um so etwas wie einen Menschen handelt. Zumindest kann es stehen. Wir glauben, es hat Füße. Einen Kopf können wir nicht ausmachen, aber es liegt ja auch ne Decke drüber.“.

Der Zellhaufen blickt sich verwirrt in der Küche um. Warum genau war er jetzt nochmal aufgestanden? In den letzten Tagen hatte er immer diese Träume von strammen Geheimagenten, die ihn von seinem Leiden zu befreien in der Lage waren. Dafür waren sie ausgebildet worden. Jegliche andere Lebensform auf diesem Planeten war an dieser Aufgabe gescheitert und die Quarantäne, die dem Klumpen auferlegt wurde, um den Rest der Menschheit vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, machte ihn nahezu lethargisch.

Eine Welle sengender Hitze ergreift die obere Ausstülpung des Haufen Elends, die noch die Reste eines vormals vollständigen IQs beherbergt. Bekanntermaßen vermindert sich dieser im Krankenhaus und im Urlaub um bis zu 20% (im Falle des Fleischberges kann man mit Abweichungen von bis zu 100% rechen) und lässt lediglich die Funktionen „setz dich wieder hin“, „einfach weiteratmen“ oder „töte mich“ zurück. Der Haufen setzt sich also wieder hin und atmete, da niemand zum töten in der Nähe war.

Die auf beinahe 40 Grad Celsius erhitzte Kopfwulst gibt ein klägliches Rasseln aus allen Öffnungen gleichzeitig von sich.

Um das Auslaufen aus zwei der Luftlöcher zu verhindern und die Umgebung nicht endgültig zu kontaminieren, führt eine mittig am Hauptklumpen angebrachte Fleischwurst einen vollständig durchnässten und verklebten Lappen Zellstoffs gen Wulstzentrum, und vermischt – unter ohrenbetäubendem Schnauben – den bereits verkrusteten Schleim mit frischem Eiter und Spuren von Blut. „Ekelhaft“, sagt ein einzelner Mossad-Agent, der sich noch ein Brötchen schmierte, bevor auch er den Rückzug antritt und den Zellberg wieder seinem Schicksal überlässt.

Dieser betastet mit den frostigen Stummeln der Fleischwurst vorsichtig das schorfige, erdbeerrote Gebiet rund um die Luftlöcher. Einige Hautschuppen lösen sich schmerzhaft und rieseln wie… tote Hautschuppen aus toter Haut sachte auf den stetig wachsenden Berg Zellstoffs zu Füßen des Klumpens. Darunter entblößt sich pures Fleisch. „Ekelhaft“, sagt der Mossad-Agent, der noch einmal zurück kam, um sich Milch in den Kaffee zu gießen.

Der Haufen Elend sinkt kraftlos in sich zusammen, zieht die Decke bis zum Ansatz der schmerzenden Hornfäden, die da wild und fettig aus seiner IQ-Wulst wucherten und schaltet den Laptop ein, um einen längst überfälligen Blog Eintrag darüber zu verfassen, das sein aktueller Zustand keine Bearbeitung sinnvoller Themen zulässt. Die Gesichtserkennung verweigert den Zugriff. Der Klumpen schaltet den Laptop wieder aus und beschließt, nur folgende Worte via Mobiltelefon in die ihm mittlerweile fremd gewordenen Welt zu senden:

Ich bin erkältet. Und ja, ich jammere wie ein Baby. Das ist mir egal. Ich bin erkältet.“

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Ich kann auch nüchtern abschweifen

Alkohol Blog

Ich übergebe mich nicht so sonderlich gerne.

Kenne erstaunlich viele Leute, denen das auch so geht. Allerdings hat der Mensch mindestens so viele Wege gefunden, sich den Mageninhalt nochmal vor Augen zu führen, wie die Inuit Worte für Schnee haben. Bier, Wein, Jägermeister, Sangria, Martini, Deckendorfer Krötenbrunnen, sowas eben. Also die Brechmittel, nicht der Schnee. Obwohl ich mir das auch sehr lutig vorstelle: „Ey, Marcelle, bring mal den Müll runter und nimm gleich den Whisky-Schieber mit. Müssen mal wieder n bisschen Salz unter den Tequila mischen, dafür musste aber erst mal den Rum zur Seite schaffen.“ Die Inuit wären wieder einmal krass missverstanden oder Marcelle ein Kind der tiefsten Prohibition. Macht aber nichts, denn ist ja nicht so. Aber ich schweife ab. Das mach ich besonders gerne, wenn ich gerade betrunken bin.

Das ist jetzt gerade zwar nicht der Fall, aber das langjährige Training ermöglicht mir mittlerweile auch nüchternes Abschweifen.

Also, Alkohol. Alkohol ist ein durchaus schmackhaftes, in Gestalt von Obstler oder anderen Schnapsalien verbreitet ekelhaftes Gebräu aus den erheiternden Abgründen der menschlichen Natur. Das ausgerechnet abstinente Mönche mit dem Wunsch, durch vergammeltes Obst und überlagerten Gerstenbrei ihrem Elend ein Ende zu machen, die Freuden des chilligen Rausches in die Welt trugen und damit für jeden, der alt genug war, um die erlernte Fähigkeit des aufrechten Ganges wieder zu vergessen, die Rechtfertigung zum Alkoholgenuss auf Stein kotzten, finde ich toll. In meinem Kopf sieht das so aus: Große Hungersnöte. Die Klosterinsassen waren dazu genötigt, einfach das zu essen, was da war. Damals sah man es mit dem Verzehr- und Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht so eng, geschweige denn mit dem Unterschied zwischen gammlig und dann schon echt richtig schlecht.

Pater Jack Daniels biss also beherzt in eine ganze Rebe schlierige-schimmliger Weintrauben und fiel augenblicklich ganz versehentlich auf den 7 Jahre alten Novizen Cola drauf.

So stell ich mir das zumindest vor, denn so entstehen Traditionen. Die Kirche hat beim zufälligen Erfinden cooler und ziemlich uncooler Sachen die Nase ganz weit vorne und ist in ihrer Impulsivität, Absonderlichkeit und Starrsinnigkeit menschlicher als jeder Mensch. Allerdings hat der Rest der Zivilisation glücklicherweise erkannt, dass einige Traditionen nur bedingt brauchbar, ziemlich ekelhaft und mit Vorsicht zu genießen sind. Darum fallen wir jetzt nur noch auf Leute drauf, die das auch wollen und richteten so verrückte Sachen wie Gesundheitsbehörden ein, die einschreiten, bevor jemand versucht, sich den Blauschimmel durch die Nase zu ziehen. Aber ich schweife schon wieder ab.

Also, Alkohol. Alkohol ist eine knorke Sache.

Er macht langweilige Menschen plötzlich so spannend wie Stephen Hawking, Severus Snape oder Kurt Cobain, meine Mutter zu einem Ebenbild von Heidi Klum und die Omma zu einer echt hübschen Ledertasche. Steißgeburten in Sachen Humor ernten plötzlich für Witze wie: „Warum sollte man sich nie von einer Frau verarzten lassen? Die können nur Damenbinden.“, brüllenden Zuspruch und die dümmsten Menschen der Welt, die echt einfach nur saudämlich sind – so in etwa wie das Känguru, das sich schlachten lies, um seinen Hoden dem Dschungelcamp zu opfern – solche Menschen wirken unter dem Einfluss von einer ordentlichen Menge Absinth intravenös nur noch so abstoßend wie eine frisch geborenes Rosettenmeerschwein. Schon ziemlich hässlich, aber da wächst ja noch was und in zwei Wochen sind die niedlich. Alkohol ermöglicht es, dass man sich in rosa Strapsen, grünen Chucks und einem etwas breiteren Gürtel als Blickschutz für die oft noch nicht ganz ausgereiften Geschlechtsteile vor die Tür wagt. Das ist Mode… oder Sommer. Setzt man sich dazu noch einen Angela Merkel Kopf aus Pappmaschee auf und friert sich den Genitalpiercing an der Straßenlaterne fest, die man im Übermut besteigen wollte, weil sich sonst keiner anbot, nennt man das Karneval. Ich kenne keinen Menschen, der, wenn es nicht um das Leben seiner Liebsten gehen würde, nüchtern Geschlechtsverkehr in einer 1 Quadratmeter Toilettenkabine irgendeiner versifften Kneipe haben würde, die dann wahrscheinlich auch noch ( Achtung Wortspiel) „ Suffilis“ heißt.

Ich trank sehr viel Alkohol. Besonders in meiner Jugend.

Das hatte einen ganz einfachen Grund: ich fühlte mich unter Alkoholeinfluss mächtig. Mächtig gutaussehend, mächtig redegewandt, mächtig witzig, mächtig egalitär gegenüber allen Anfeindungen und am nächsten Morgen wie ein mächtiger Haufen irgendwas. Ein Klumpen, der sich an einem Wattestäbchen befindet, das man gerade einem ziemlich ungewaschenen Nazi aus den reinrassigen Segelohren gezogen hat. Mächtig eklig, mächtig falsch gepolt und mächtig peinlich. Dass das so war, hat auch einen ganz einfachen Grund: ich kann ganz schlecht mit maßvoll. Wir beide sind einfach nicht kompatibel. Entweder ganz oder gar nicht. Leider.

Wenn ich mir dann zwei eisgekühlte Teelöffel auf die Augen legte, in die ich in weiser Voraussicht zwei Gucklöcher gebohrt hatte und mich im Spiegel betrachtete, fragte ich mich, wofür das alles? In meinem Kopf klangen die besoffenen Gespräche, die mir am Abend vorkamen, wie der geniale Auftakt der längst überfälligen Revolution für irgendwas, nur noch wie das zärtlichste Liebesgeständnis, das unter Orks so möglich ist. Weil ich aber so überzeugt davon war, dass man mal irgendwas revolutionieren müsste, sah ich mich gezwungen, auch gleich damit anzufangen. Ich habe in Folge dessen mein komplettes Erspartes an die „Samenbank Gelsenkirchen“ gespendet, da ich mir im arroganten Alkoholübermut wohl einredete, mir ein Mitspracherecht erkaufen zu können, wer sich in Zukunft wann und wie fortpflanzen darf. Sobald die Menschen keine Möglichkeit mehr zum Kopulieren haben, da die App zur Steuerung der Erektion von Facebook aufgekauft wurde und nur noch mit einem öffentlichen Bild des erigierten Penis via Instagram aktiviert werden kann, wollte ich nur noch Menschen auf diesem Planeten sehen, die nicht mal wissen, was eine App ist. Das trug ich mir dann sofort in meine Notiz-App ein, damit ich diese famose Vorstellung ja nicht wieder vergaß. Im Überheblich-Ordner. Dass es diese App nicht gibt, war mir auch egal. Irgendwann wird die schon jemand erfinden. Weil ich das Handy schon mal in der Hand hatte, konnte ich meinen Eltern auch gleich sagen, dass sie doof sind, meinem besten Freund meine Liebe gestehen und drei Freundschaften beenden. Was man eben so macht. Darauf gleich noch einen Eimer Sangria.
Die Erektion meines Schamgefühls stellte sich beim einschalten des PCs auch ohne App sehr schmerzhaft ein, sobald ich feststellte, dass das Video, auf dem ich  – mit nichts weiter, als einem Stabssauger bekleidet – versuche, dass Parteibüro der AfD mit einem Zewa-Tuch wisch und weg zu machen und dabei sehr ausfallend mit dem Hintern wackle, mehr als 30 Millionen Klicks bei YouTube hat. Meine Eltern hatten mittlerweile ungefähr genauso oft versucht, mich anzurufen. Die einzige SMS, die ich bekam, lautete wie folgt: „Du bist im RTL Morgenmagazin… und auch doof.“. Aufgrund der Freude über meine unerwartete Berühmtheit übergab ich mich Sangria rosa auf den fremden Mann in meinem Bett, der sich daraufhin auf die fremde Frau übergab und die auf die 5 anderen neben dem Bett. Ich hätte dieses Perpetuum Mobile des gegenseitigen Ekels gerne mit dem Spaß betrachtet, den wir am Abend möglicherweise hatten, was mir aber nicht recht gelingen wollte. Ich fiel, ohne zu fragen, mit dem neuen Genitalpiercing voraus auf meinen Angela Merkel Kopf, der jetzt nur noch einem mittelschweren Autounfall mit mittelschönem Gesicht ähnelt und beschloss, noch heute ins Kloster zu gehen.

Also, Alkohol. Alkohol ist eine famose Erfindung. Ich bin nur nicht in der Lage, mich später noch daran zu erinnern, was ihn eigentlich so toll macht. Ich scheine sehr große Angst davor zu haben, meine Freunde möglicherweise scheiße zu finden, wenn ich sie mir nicht schön saufe. Eigentlich langweile ich mich. Mit ihnen und mit mir selbst. Ich finde Karneval scheiße, Angela Merkel Köpfe nicht lustig und rosa Strapse wenig kleidsam. Ich war so einsam, dass ich in Kauf nahm, wildfremden Menschen abzuschleppen, nur um mir zu beweisen, dass ich wenigstens noch irgendwas ins Bett kriege.

Ich bin so unsicher, dass ich das Konzept des Unsicherseins konsequent bis zum Ende verfolgte.

Solange, bis ich über unsicher sein in der Getränkewahl, unsicheres Halbwissen verbreiten, unsichere Fetischneigung zum besten Freund, unsicheres Stolpern aus der Bar und unsicheres Erwachen (begleitet von der unsicheren Frage, ob man im eigenen Bett oder überhaupt in einem Bett liegt und unsicher ist, ob man wirklich Spaß hatte), zur Sicherheit gelangte, dass ich mir einfach nur getraut habe, auch ohne Spaß trinken zu können, weil ich dann wenigstens irgendwas machte, bei dem ich sicher sein kann. Nämlich die Welt, sich selbst und sein Umfeld nicht nüchtern betrachten zu müssen. Alkohol ist das Ertränken von Konsequenzen. Ich muss nichts Entscheiden, nichts ändern, nichts klar sehen.

Aber ich übergebe mich nicht so sonderlich gerne. Besonders nicht an die Konsequenzlosigkeit.

Kenne einige Menschen, die das auch so trocken sehen. Ich kann leider nicht ein Gläschen trinken und ultraknuffig beschwipst kichern, ohne im Anschluss zu eskalieren. Wenn ich’s könnte, würde ich’s tun. Es spricht auch nichts gegen einen gepflegten Vollsuff, solange man nicht dazu übergeht, damit regelmäßig das eigene Volldeppen-Dasein und das der anderen zu rechtfertigen. Da ich Revolution in nüchtern aber viel schöner und beständiger finde, trinke ich nicht mehr. Also gar nicht. Wenn ich mir irgendwann sicher sein kann, dass ich mein Leben auch so knorke finde, fang ich vielleicht wieder an. So schön konsequenzlos blöd wie nach 2-3 Bier kann man nämlich nur selten sein. Aber auch nur dann. Die Inuit haben mehr als 99 Worte für Schnee. Ich habe mehr als 99 Gründe, nicht zu trinken und noch wesentlich mehr, neidisch auf alle zu sein, die das problemlos können. Allerdings habe ich nur ein Wort, dass man, wenn es sich richtig anfühlt, an glücklichen Abenden mit guten alten und neuen Freunden und Bier und Cola trinkend in die Nacht brüllen kann: Prost!

 

Das Leben mit Depressionen – ein Gastbeitrag

Ich schreibe ja glücklicherweise nicht nur über Paniermehl und Karotten, sondern gelegentlich auch über ernstere Dinge. So nun auch als Gastautorin im Blog meines Lebenspartners. Das spielt deshalb eine Rolle, da dieses Blog einen Einblick in das Leben eines Menschen mit Depressionen gewährt und ich als Teil dieses Lebens nicht selten mit Dingen konfrontiert bin, die man auch mit Paniermehl nicht verstecken kann. Trotzdem finde ich die Arbeit, die er in dieses Projekt steckt und den Aufruf, den er damit suggeriert, äußerst wichtig und wollte gerne einen Beitrag leisten. Nach vielen Gedanken und Konfrontation mit mir selbst und dem Grad meiner Liebe gibt’s das Ergebnis nun auf dasgegenteilvontraurig zu lesen. Warum es mir vielleicht leichter möglich ist, die eine oder andere Untiefe des Lebens mit mehr Leichtigkeit zu überstehen und zu verstehen, erklärt ein bisschen dieser Text.

Das Mädchen auf der Schaukel

Das Mädchen auf der Schaukel singt:

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm.

Es starrt einfach in’s Leere und grinst sehr dumm.

Sag, was warf das Männlein ein, dass muss ja was ganz Hartes sein.

Ist platt und weiß beinah wie seinen eigener Totenschein.

Ich bin dieses Männlein.

Kann mich dunkel dran erinnern, mal ein Mann gewesen zu sein.

Ich hieß Johannes, oder vielleicht auch Thomas

und hatte eigentlich nie Lust auf sowas,

aber die pure Existenz chemischer Substanzen

und einiger psychedelisch wirkendere Pflanzen

rechtfertig auch die Existenz meiner Lust mich aufzulehnen

gegen den tiefen Frust,

den Nichtkonsum in einem Menschen weckt,

der mit der Nase im Koks und der Nadel im Arm bezweckt,

Freunde zu finden.

Ich bin dieses Männlein.

Kann mich schwach daran erinnern, mal ein Mensch gewesen zu sein

und sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Nicht mal beide Beine tragen mein Gewicht,

geschweige denn Eines,

auf dem ich durch mein Leben stolper.

Auf der Flucht vor dem gierigen Verfolger namens Drogentod.

Und  mit süchtigen Fingern  strapaziere ich das Lot

zwischen leben und sterben bis zum zerreißen.

Ich war dieses Männlein.

Konnte mich erinnern, mal Schüler gewesen zu sein

und später nur noch einsam

ohne Aussicht auf etwas, das heilsam gewesen wäre.

Konnte mich erinnern mal Sohn gewesen zu sein

und später nur noch Ausschuss, Kollateralschaden und allein.

Konnte mich erinnern, dass ich mich mal erinnern wollte,

falls etwas anderes als ich die Oberhand gewinnen sollte

und erinnere mich an Wärme…

die so weit ab vom goldnen Schuss ist,

dass ich fast sicher bin, das man mich vielleicht nicht vergisst.

Ich war dieses Männlein

und jetzt schreibst du meinen Namen auf einen Grabstein.

Kannst dich erinnern, mal Freundin gewesen zu sein

von ganzem Herzen und nicht nur zum Schein

weil meine Tüte immer rumging

und jeder Idiot bei mir rumhing,

sondern weil du mich liebtest.

Auch dann noch, als ich platt und weiß wie mein Totenschein ins Leere starrte.

Das Mädchen auf der Schaukel singt:

Dünn, ja dünn, sind alle meine Kleider.

Dünn , ja dünn, ist alles, was ich trag.

Darum lieb ich alles was so dünn ist,

weil mein Schatz nur dünne Frauen mag.

Ich bin dieses Frau

ohne Kraft zum stehen.

Die Hände ganz rau vom Kotzen gehen

und gegen Wände schlagen um den Hunger zu vertreiben

nur um nicht zu versagen

und in der Form zu bleiben.

„Nichts schmeckt so gut, wie sich Hunger anfühlt“,

steht unter meinem Herzen auf die Rippen tätowier.

Hab mich bemüht, dass mein Körper auskühlt

und mich dann nackt vorm Spiegel fotografiert,

um zu beweisen, dass ich …stärker als ich selbst sein kann.

Ich bin diese Frau,

die Menschen zu sehr liebt

und sich deshalb nicht den kleinsten Makel vergibt,

weil ich perfekt sein will für die Welt

und alles, was Menschen zusammenhält,

denn mich selbst… kann ich schon lange nicht mehr halten

und zu viel Gewicht liegt mir auf den Lippen

und wird auch nicht weniger durch Coke Zero getränkte Watteklumpen und Kippen,

von denen ich mich ernähre.

Ich war diese Frau.

Für ein tristes Leben viel zu schlau

und ständig auf der Suche nach Abenteuern,

nach ausgereizten Grenzen und Höllenfeuern,

um mich selbst gelegentlich mal zu spüren

und meine Seele nicht nur mit Selbstqual zu berühren.

Ich wollte einfach in Luft übergehen,

zwischen Regentropfen tanzen und trotzdem im Trocknen stehn

und mich einfach übersehen lassen…

um euch dann dafür zu hassen, dass ihr mich nicht gesehen habt.

Ich war diese Frau

und jetzt sind deine Finger ganz blau,

weil du beim weinen zu stark deine Hände verschlingst

und fassungslos um Antworten ringst.

Nach Worten, die du denne, die es wagten, mich zu brechen, entgegenschleudern kannst,

um mich vielleicht irgenwie zu rächen.

Aber du bleibst stumm,

denn bist nun die Frau, die die Welt nicht mehr versteht,

weil sie sich für mich einfach nicht mehr weiterdreht,

weil mein Hunger nach Liebe zu groß und mein Mut zu klein schien

und ich von einer Lebenden zu einer toten Leiche geworden bin.

Weil ich meinen Eltern die Tochter raubte

und dir die Schwester im Herzen

und das einzige was bleibt ist eine verstaubte Gedenktafel

und schwach flackernde Kerzen.

Ich bin das Mädchen auf der Schaukel!

Süchtig nach dem Wind im Haar,

nach dem Kribbeln im Bauch und schönen Träumen

und nach Erinnerung an das, was war.

Ich bin süchtig nach Leben, nach dem Lauf der Dinge,

nach Kinderliedern, die ich lauthals singe,

nach dem Duft von Regen wenn ich in Pfützen springe

und dem Lachen meiner Mutter, wenn ich Blumen mitbringe.

Ich bin süchtig nach Licht,

nach Sonne und Wärme,

nach dem Funkeln, wenn sich ein Strahl in einer Schneeflocke bricht.

Ich bin süchtig nach schlagenden Herzen und funkelnden Augen,

nach Worten, die auch zum zuhören taugen.

Ich bin süchtig nach Liebe sammeln und Liebe schenken

und nach Gedanken, die wir – ausnahmsweise – auch mal gerne denken.

Ich bin süchtig, weil ihr süchig wart

und kein Wort beschreibt, wie sehr ihr mir fehlt.

Ich werde nicht vergessen, wie ihr mich berührt habt

und das ist das eizige,

was für mich noch zählt.

Be my Schweinsohr <3

Schweinsohren

Lieber Valentinstag,

ich schreibe dir zur Feier deiner Existenz einen Liebesbrief, aber das siehst du ja selbst, denn du bist ja nicht doof. Die Menschen reden sich, seit du auf der Bildfläche aufgetaucht bist, immer wieder ein, dass du ein Tag wie jeder andere bist. Ich habe das auch lange versucht, doch als ich anfing, meinen besten Freund, der zufällig auch deinen Namen trägt, regelmäßig mit einer Tüte schockgefrosteten Hundekots zu bewerfen, kam ich zu der Einsicht, dass du diese Bagatellisierung nicht verdient hast.

Du bist so viel mehr.

Ein wahres Wunderwerk der Werbepsychologen, die Frucht der moralflexiblen Großindustriellen, die noch wissen, wie wichtig Liebe ist und die Hoffnung der Rosenverkäufer und romantischer Zyankaliemischer, deren Plan vom süßen Tod nie aufgehen würde, wenn Liebespaare nicht genötigt wären, sich an diesem Tag auch mit schokoladenverschmierter Schnute und 10 Kilo zu viel auf den Hüften bis zum Tode lieben zu müssen.

Lieber Valentinstag, ich gehöre zur Halloween-Generation, in der auch du an Wichtigkeit gewannst. Nur ist deine Erscheinung, je nach aktueller Lebenssituation, immer wieder unterschiedlich und kann nicht so einfach als hässlich und kostümiert abgetan werden, wie die Halloweens. An Monster glauben sowieso die wenigsten, aber an die Liebe…? Schon eher. Ich auf jeden Fall und deshalb kenne ich dich in alle Fassetten und, lieber Valentinstag, keine davon ist mehr wert, als eine schockgefrostete Tüte Hundekot.

Schockgefrosteter Hundekot

Man kann dich als glücklicher oder unglücklicher Single erleben und als glückliches und unglückliches Pärchen.

Für all diese Beziehungsstatussis gilt allerdings eines: alles, was auch nur im Entferntesten mit Liebe in Verbindung gebracht werden kann, darf heute auch mal mehr koste. Liebe ist wertvoll, muss also teuer bezahlt werden. So richtig mit Opfer und so. Als ich heute früh zum Bäcker ging, um mir mein Freitags-Schweinsohr zu kaufen, fiel zuerst eine Meute Rosenverkäufer über mich her, die sich erst dann betreten trollte, als sie feststellte, dass ich a) kein Mann bin und außerdem b) zufrieden aussehe. Danach fiel ich über rosa Lametta und zu guter letzt aus allen Wolken, als mich die Bäckersfrau darauf hinwies, dass ein Schweinsohr, wenn man es auf die runde Seite stellte, schon hart Ähnlichkeit mit einem Herz hätte und deshalb heute 1,50 € mehr kostet. Mehr als bekloppt anstarren war nicht drin. Also kaufte ich mein Schweinsohr für 3 € und beschloss, es heute mal ganz besonders zu genießen. Klappte natürlich nicht, weil mein Hirn immer wieder „Das is ne Frechheit. So spielt man doch nicht mit der Liebe! Außer vielleicht in schmierigen Bordellen und Partnervermittlungen für reiche Witwen über 80. “ brüllte. Nach der Schokoladenseite des Gebäcks schmiss ich es in den Müll, denn ich wollte nichts essen, wo bereits die Schamlosigkeit der Industrie drauf ejakuliert hatte.

Besonders glückliche Singles und ebenfalls glückliche Pärchen werden von deiner Omnipräsenz alljährlich überrumpelt, lieber Valentinstag. Da willste für deinen Partner oder für deine scharfe Eroberung der letzten Nacht frühs schnell ne Mettwurst kaufen gehen, weil du das eben immer machst und dann erzählt dir die Frau an der Fleischtheke, dass die Würste heute –wenn man mal genau hinguckt-  alle aussehen wie Herzen und deshalb auch mal ordentlich was kosten. Also kaufst du dann doch lieber Paniermehl, was unter keinen Umständen was mit Liebe zu tun hat, dafür aber den ersten großen Krach in der Beziehung verursacht und sicherstellt, dass es bei der einen Liebesnacht bleiben wird.

Paniermehl sendet eben einfach die falschen Signale.

Die in Liebesdingen Unglücklichen unter uns, die zur eigentlichen Zielgruppe deiner Erschaffer gehören, bereiten sich nach der weihnachtlich-liebesbehafteten Zuneigungs-Pflichtveranstaltung beinahe zwei Monate seelisch und moralisch auf dich vor. Die unglücklichen Singles planen ihren Abend mit der unromantischsten Beschäftigung, die man sich vorstellen kann. Zum Beispiel in der Eckkneipe Wodka trinken und sich mit zwei über die Hände gestülpten FDP-Jutebeuteln vor einem Bild von Angela Merkel Pickel ausdrücken. Die Pärchen mit Liebesdefizit nutzen diesen Tag, um sich unterschwellig gegenseitig unter die Nase zu reiben, dass sie sich die restlichen 364 Tage im Jahr irgendwie nicht so richtig riechen können und sich heute deshalb in heftig Curry durchwaberte Restaurants ausführen. Daraufhin leiden sie so krass unter Durchfall, dass der Kontakt zum Partner vorerst abgebrochen werden muss und darf.

Ob man will oder nicht, man kann sich dir nicht entziehen.

Entweder vergisst oder ignoriert man dich, stolpert aber trotzdem versehentlich drüber, wenn man nicht vorsorglich das Land verlassen hat, was ja auch schon wieder eine Beschäftigung mit deinem Vorhandensein voraussetzt, oder aber man wird so hart mit der eigenen Unzufriedenheit und Einsamkeit konfrontiert, dass man sein letztes Hemd für ein Schweinsohr geben würde, dass einem ein unfreundlicher, nun zum Rosenverkauf gezwungener FDP-Mann für läppische 10 Euro andrehen möchte und dann vor Mitleid noch 10 Cent runtergeht.

Gerade als glückdurchflutetes Pärchen liebt man sich an diesem Tag deutlich weniger, als man es sonst gewohnt ist. Wer bereits auf der anderen Seite stand und alles, was glücklich aussah, hätte vierteilen wollen, weiß, warum. Das gemeine, freilaufende Pärchen mit empathischem Mitgefühl für seine partnerlosen Mitmenschen trottet an diesem Tag vorsichtig drei Schritte hintereinander her und friert schrecklich an den Fingern, da es nicht wagt, wie sonst im Pärchenhandschuh zu fummeln und dicht gedrängt in aller Öffentlichkeit gedanklich Sex zu haben. Die Gefahr, bei der Annäherung auf unter einen Meter augenblicklich eines aufs Maul zu kriegen, ist einfach zu groß. Sonst bist du, lieber Valentinstag, für glückliche Pärchen aber ein großes Abenteuer. Ich für meinen Teil weiß dank dir wieder, warum ich ausgerechnet mit diesem Mann zusammen bin, der keinen speziellen Tag braucht, um mir zu zeigen, was er fühlt, sondern das Gewicht eines Schweinsohrs in Gold lieber an die DKMS spendet. Außerdem haben wir herausgefunden, was man nach einem Tag des Entzuges der körperlichen Nähe so alles mit Paniermehl anstellen kann. Das ist aber nur meine Geschichte.

Alles in allem, lieber Valentinstag, bist du eine ziemlich fiese Erfindung von „Menschen“, die elementar wichtige Gefühle auszubeuten versuchen.

Du bist wunderbar dafür geeignet, einsame Menschen leiden zu lassen und zweisamen Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie sich zu sehr oder zu wenig lieben. Du bist so überzeugend, dass du dir anmaßen kannst, zu definieren, wie Liebe auszusehen hat und was sie „kosten“ darf und muss. Du bist der Grund dafür, warum sich keine heißen One-Night Stands in der Nacht vom 13. auf den 14. April ergeben, was ich wirklich übertrieben finde.  Und ja, liebe One-Night Standler, man kann doch wirklich mal zusammen frühstücken, wenn man die Liebeswurst schon im Herz-Schweinsohr versenkt hat.

Lieber Valentinstag, alles in allem bist du aber unglaublich gut dafür geeignet, egal in welchem Gemütszustand, mal wieder über die Bedeutung der Liebe nachzudenken und festzustellen, dass alle dran glauben, ob sie wollen oder nicht. Das verbindet. Und kostet nichts, außer vielleicht Nerven. Wie so vieles andere auch.  

In Liebe, Luise

Wenn der Feminismus seine Kinder frisst – Emma über Julia Engelmann

Alice

Manchmal bin ich auch sauer. Da ich meines Wissens keine Zitrone oder ein Drops bin, muss das wohl menschlich sein.  Julia Engelmann hyped sich nach wie vor durch die Medien, der Poetry Slam freut sich geschlossen, die Jubelschreie des Medien mischen sich zusehens mit kritischen Stimmen. Alles normal soweit. Was meine bisherigen Freundinnen der feministischen Zeitschrift „Emma“ da alledings treiben, veranlasst mich dazu, den Drops noch nicht gelutscht sein zu lassen. Meine Damen und Herren, ich präsentiere  – voll Trauer um eine wichtige und provokante Stimme in der deutschen Medienlandschaft – einen völlig schwachsinnigen Artikel:

http://www.emma.de/artikel/baby-mach-einfach-weiter-313385

Ich mische mich ja aus Rücksicht auf das Raum-Zeit-Gefüge nur selten in die Geschicke der deutschen Medien ein, aber da ich auf allen Ebenen, die dieser Artikel so zusammengezimmert hat, wütend bin, schrieb ich im Geiste folgende Mail an die Emma. Danach schrieb ich sie wirklich und schickte sie ab.

„Liebe Emmas,

 warum macht ihr mich nach so vielen Jahren des Glaubens an euer Tun so traurig? Ich bin seit langer Zeit und jungen Jahre Leserin und Beobachterin eurer Arbeit. Ich bin – in eigener Definition – Feministin. Und ich bin Poetry Slammerin. Ich habe Julia Engelmann bisher nicht persönlich getroffen, aber da die Slam-Szene eine sehr Kleine und Familiäre ist, kommt man nicht umhin, detaillierte Diskussionen zu besagtem Video und dem damit verbundenen Hype zu führen. Das ist gelegentlich anstrengend, hat aber wenigstens Hand und Fuß. Was ihr allerdings tut, ist in erster Linie eine völlig zusammenhangslose Behauptung in den Raum zu stellen, die dann auch noch schlecht recherchiert ist. Ich teile eure Meinung – ob nun im Heft abgedruckt oder an anderer Stelle durch die Medien publik geworden – mal mehr, mal weniger, doch immer begründbar. Hier allerdings gibt es nichts zu teilen, da dieser Artikel jedweder Grundlage entbehrt. Man bekommt, wenn man eure Entwicklung verfolgt hat, den Eindruck, dass ihr den Rummel um dieses Video lediglich dafür nutzt, den gängigen Medien „eins reinzuwürgen“. Und damit benutzt ihr Julia ( die in diesem Fall nur zufällig eine Frau ist) mehr, als alle anderen. Es gibt kaum eine Kunst-Szene, die so unvoreingenommen und frei miteinander existiert und so viele kluge Köpfe beherbergt, wie man sie unter Poetry Slammern und Slammerinnen antrifft und es gibt meines Wissens überhaupt keine Szene, die so pingelig darauf achtet, dass das auch so bleibt. Hier gibt es keine Julia/Julian-Konflikte. Warum man den gängigen Medien diesen Konflikt unterstellen sollte, erschließt sich mir nicht. Die Feuilletons der großen Tageszeitungen überkippen Julia vielleicht der Provokation geschuldet mit Häme. Sie verunglimpfen möglicherweise den Inhalt des präsentierten Textes und den Poetry Slam als Veranstaltungsformat an sich. Ihr allerdings überschüttet sie mit Blödsinn und Zweckmäßigkeit. Würde sich eure Empörung am zitierten „stille Wasser sind attraktiv“ festmachen, könnte ich das sogar noch nachvollziehen. Allerdings findet dieses Zitat nur als Randbemerkung Erwähnung. Ich frage also ganz offen: was soll das? Sucht ihr händeringend nach Fixpunkten, um radikal-feministische Ansichten zu streuen, koste es, was es wolle? Da gibt es doch wirklich genug andere, vielleicht zur Zeit unpopulärere, Themen, die dringender für scharfe Kritik geeignet wären, als ein Poetry Slam Text, der uns nichts sagt, außer das wir mal Spaß am Leben haben sollten. Liebe Emmas und bitte, wenn ihr schon nach einem Strohhalm sucht, über den ihr die Jugend und junge Erwachsene wieder an den feministischen Gedanken heranführen könnt, dann betreibt wenigstens ausführliche Recherchen und unterstellt nicht irgendwelche wagen Fakten. Was Julia Engelmann da in dem angesprochenen Video im Haar trägt, ist kein Femen-Blumenkranz, sonder eine „Ein-Euro-Shop Blumenkette“ die beim Open Air Sommer-Slam des Bremer Slammerfilets alle Künstlerinnen und auch Künstler um den Hals gehängt bekamen. Und das nur, weil’s eben Spaß macht.“

Lasst uns gemeinschaftlich eine Runde irgendwas hinterziehen. Das braucht man manchmal, um schwere Zeiten zu überstehen. Auf das wieder Bessere kommen.

Bildungsarmut…mal anders

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Liebes Bafög-Amt,

da du mich sehr eindringlich darum batest, um Himmels Willen bloß keine Fragen zu stellen und schon gar nicht zum aktuellen Bearbeitungsstand meines Antrages  (Bearbeitung heißt Bearbeitung. Und Sie studieren? ), frage ich nun eben meinen Kühlschrank, wie er sich das so mit der Nahrungsaufnahme im nächsten Monat gedacht hat. Der schaut mich mit leerem Blick an, rülpst mir einen einladenden Kältegeruch entgegen und ich stelle fest, dass die Wochen alte Tüte Aufbackbrötchen eigentlich mal hätte ein Fahrrad werden sollen. Ich schiebe meinen unsportlichen Hintern also nicht in’s Freie, das kostet zu viel Energie, sondern die Karotten, die schrumpligen Pilze und den Hüttenkäse so lange hin und her, bis ich keinen Hunger mehr habe. Bald werde ich sie essen müssen und künftig mit Knubbeln der Rauhfasertapete meinen knurrenden Magen bruhigen.

Ich finde es schön, dass Kreativität heute im Bildungssystem so gefördert wird.

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Ich überlege, wie ich aus der Not eine Tugend machen kann. Ich schriebe eine Erfolgsroman: 5 Kilo in 2 Wochen – die Bafög-Diät. Darin beschwere ich mich hauptsächlich dekadent darüber, dass ich jetzt keinen Platz mehr im Kleiderschrank habe. Zu viel Kleidung für zu wenig Mensch ist ein Luxusproblem, von dem die Leute gerne lesen. Wenn ich dann erst mal reich bin, kann ich das ja nicht mehr behaupten.

Ich muss die Gunste der Stunde nutzen.

Ich vertreibe mir die Zeit am Morgen, in der ich sonst Kaffee trank und duschte, gerne damit, mir vorzustellen, wie erfolgreich ich mit einem eigenen Restaurant wäre. Ich würde es Karottenkäse nennen oder Hütten-Rotte und nur Hüttenkäse und Karotten in allen möglichen Variationen servieren. Vornehmlich natürlich Karotten mit Hüttenkäse. Aber die Karotten dafür mal geraspelt, mal in Scheiben oder in Stiften zum dippen. Roh! Kochen kostete und ist nur dann möglich, wenn die Sonne scheint. Selbst dann nutze ich den Strahl, der sich dank der Lupe am Fenster bündelt, lieber dazu, die Tasse mit dem 10 Mal aufgebrühten Teebeutel erneut mit erhitztem Wasser übergießen zu können. Ich finde das Aroma der Sonne auf der Zunge sehr ansprechend.

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Apropos duschen. Ich lache jedes mal herzlich, wenn ich ein mal die Woche eine der Schampoo-Flaschen, die ich vorletztes Jahr zu Weihnachten bekam, öffne und sie mich freundlich anpupst.

Die Flaschen haben alle sehr kreative Namen wie Florentine-Fast-Leer, Wanda-Wasser-Mit-Schaum und Karla-Kopfstand. Alle weiblich, weil ich mir in etwas so einen Mädchenpups vorstelle – ohne übertriebenes Knattern und mit dem fast verschwindenden Hauch von Honig-Mandel-Duft. Außerdem habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt. Ich sammle gerne Rasierklingen. Nicht etwa, um mich damit vor lauter Verzweiflung von meinem Elend zu befreien, nein, ganz im Gegenteil. Ich betrachte gerne die unterschiedlich abgenutzten Flächen auf den Klingen. Die funkeln wie ein Prisma in allen möglichen Farben und ich erinnere mich an die Zeiten, als wir noch gemeinsam über meine Haut dahinglitten, ohne über lästige Fleischwunden zu stolpern. Dabei pupse ich mir mit den Falschen in’s Gesicht und komme mir beinahe so vor, als würde ich in einem wundervollen Märchen leben. Ich kann das stundenlang tun.

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Leider habe ich sehr wenig Zeit für solch außergewöhliche Aktivitäten. Da ich keine passende Hose mehr habe und meine Beine denen eines Orang-Utans gleichen, bleiben mir lukrative Vollzeit-Nebentätigkeiten wie fußmodeln,  kellnern, Tabledance und sogar Zoowärter leider verwehrt. Auch der Markt des Haarfetischs im Porno- und Prostitutionsgewerbe ist leider von – vornehmlich stärker beinbehaarten, männlichen – Studenten überlaufen. So bleibt mir nur die nächtliche Pfandpiraterie, denn die restlichen 20 Stunden des Tages bin ich leider mit studieren beschäftigt.

Da sich meine Lebenserwartung auf ausgefüllte 30 Jahre verkürzt hat, ist meine Altersvorsorge aber bereits gesichert.

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Der Kontakt zu meinen Eltern bewegt sich dank dir ebenfalls auf einer sehr verständnisvollen Ebene. Wir sprechen endlich, nach so vielen Jahren der pubertären Eskalationen, die gleiche Sprache. Meine Mutter und ich tauschen regelmäßig Karottenrezepte aus, was uns einiges an Einfallsreichtum abverlangt. Ich adressiere die Post an mich selbst, schreibe als Absender die elterliche Adresse auf den Umschlag und vergesse die Briefmarke. Zu 99% kommt die Sendung da an, wo sie hin soll. An Feiertagen und zum Geburtstag wickeln meine Eltern auch schon mal eine Batterie für den Taschenrechner in die neusten Artikel zur Bildungspolitik und ich kratze die mütterlichen Tränen vom Umschlag, um zu Weihnachten die Karotten salzen zu können.

Liebes Bafög-Amt, alles in allem geht es mir gut.

Ich finde deine Einstellung sehr löblich, dass ein junger Mensch, der sich für ein Studium entscheidet, auch mit den Konsequenzen leben lernen muss. Die Entscheidung zwischen Bildungsarmut und Bildungsarmut ist mir nicht schwer gefallen und ich freue mich wirklich sehr auf die 3 Jahre nach dem Studium, in denen ich dein Chef sein darf, bevor ich nach einem erfüllte Leben friedlich das Zeitliche segne.

Mit hungrigs…äh, herzlichsten Grüßen

Luise-Langhaar-Karottenpups Frentzel

Waschen Sie doch Ihre eigene Wäsche, Mami!

Waschen Sie doch Ihre eigene Wäsche, Mami!

Eltern sind – entgegen der landläufigen Bezeichnung Elterntier – Menschen. Sie erfüllen also keinen bestimmten Zweck. Sie ziehen keine Kutschen volltrunken johlender Vatertags-Entarter über zu Staßen getrampelte Kuhfladen, noch plappern sie lustige Sätze wie „Deine Mutter ist Hitler“ nach, die man ihnen tagtäglich um die Ohren ballert. Sie kommen auch nicht zum Öhrchen kraulen auf den Schoß gehüpft und holen schon gar nicht sabbernd und mit dem Steißbein wedelnd die speichelgetränkte Zeitung vom wohlgetrimmten englischen Rasen. Man kann sie weder melken, schären oder essen, noch Taschen aus ihnen machen oder ihre Gebeine für unlautere Rituale nutzen.

Eltern sind einzig dafür da, unsere Nerven bis zum zerreißen zu stapazieren und uns trotzdem nicht davon abrücken zu lassen, dass wir sie irgendwie doch über alle Maßen lieben.

Nach 18 Lebensjahren sollte sich das herangewachsene Gezücht zweier sich zumindest für 3 Minuten liebender Menschen per Gesetz also von der (falls vorhanden) Mutterbrust gelöst haben und der Vater (falls vorhanden) sollte idealerweise als großen Bruder oder zukünftigen Chef entlarvt worden sein. Jaja, ich weiß, einige werden jetzt schreien, dass da auch 2 Minuten reichen, aber wir bleiben hier mal schön beim Durchschnitt. Wie dem auch sei, die meisten Mutter-Vater-Kind spiele dauern dann doch bedeutend länger, als Mutter-Vater sich das beim spielen so gedacht haben und irgendwie sind alle froh, wenn es endlich vorbei ist.

Man hört die Türen der Drei-Zimmer-Wohnung förmlich aufatmen, so viele Jahre sind sie geschlagen worden. Der Teppichboden ist immer noch besoffen von all dem Schnaps, den man umgekippterweise in ihm versteckt hat und man kann den Eltern endlich mal sagen, dass man sie beim Rauchen am Schlafzimmerfenster beobachtet hat als man…am Kinderzimmerfenster geraucht hat. Als man sich dann ausnahmsweise an der geheimen Feierabend-Schachtel der Mutter bediente, fand man auch den fein säuberlich mit Samtstickern in Herzform beklebten Umschlag, auf dem handschriftlich „Auszugsgeld“ gemalt war mit einem jubelnden Smilie dahinter. Auf der Rückseite des Umschlags waren die Zahlen, die wohl den Inhalt bezifferten, immer wieder durchgestrichen worden. Neben jeder Neuen und auffällig Kleineren stand dann so etwas wie „Gekifft und erwischt, die blöde Kuh“, „Schwarz mit der Bahn gefahren, die dumme Nuss“ oder „Mercedes-Stern abgebrochen, die Hohlbirne (das ist mein Kind!)“. Wurde der Betrag größer, hatte man offenbar unwissentlich eine wichtige Challenge erfüllt, wie zum Beispiel „Das erste mal Mama gesagt“.

Das bisherige Leben schien also unwissentlich eine einzige Schnitzeljagt gewesen zu sein – meine Mutter bemühte dafür gerne den Begriff Karma – und jetzt entschied sich, ob man künftig mit 12 Koreanern eine Matratze im Studentenwohnheim teilen sollte, oder ob es doch für ein durchgelegenes Klappbett in einer Neubau-WG im letzten Block vom Klärwerk reichen sollte.

Ein letzter Punkt auf dem Umschlag fehlte noch: „ Mit 18 ausgezogen“ = 500 Euro. Ich zog am nächsten Tag aus.

Bis man so ungefähr 22 war, hakte es hier und da noch mit der Selbstständigkeit. Hatte man das Bafög für Bücher Alkohol ausgegeben, sprangen die zeigefingerfuchtelnden Eltern ein und schenkten einem zur Kontrolle zum nächsten Geburtstag eines der Bücher, dass man angeblich gekauft hatte. Listen von Literatur, die man zwar nie gelesen hatte, aber trotzdem den Klappentext runterbeten konnte, stapelten sich unter Bierflaschen. Beim regelmäßigen Besuch im heimatlichen Naherholungsgebiet packte man schon das eine oder andere Mal zufällige die dreckige Wäsche ein und zog aus Versehen die muffigsten Socken direkt an, um sich dann 5 Minuten überdreht zu ärgern, bis Mami die Waschmaschine anschmiss und einem zur Überbrückung ein 5er-Pack neuer Socken schenkte. Niemals roch die Wäsche in den eigenen vier Wänden so frisch, wie hier, wo sie von der Mutter auf Kante gefaltet wieder im Rucksack landete. Schön war das. Und schön genervt waren die Eltern. Da war das Kind schon aus dem Haus und trotzdem fanden sich in den Sofaritzen immer wieder zerknüllte Bonbonpapiere – manche noch mit Inhalt. Zum eskalierenden Streit führte das, dank ausreichend Abstand zwischen den postpubertären Nachwehen, zwar nicht mehr, in den langsam wachsenden Frauenbart und die langsam ergrauenden Bartstoppeln wurde trotzdem gegrummelt.

Und irgendwann war es vorbei. Die eigene Wohnung befand sich dauerhaft in einem Zustand, der auch unangekündigtem Besuch zuzumuten war. Man rauchte, wo man wollte, las zum Frühstück Zeitung, verließt das Haus im Winter nicht mehr bauchfrei und saufen stellte zumindest kein existenzbedrohendes finanzielles Risiko mehr dar, da man lieber mit einem Buch an den Partner gekuschelt auf dem Sofa saß und Tee trank. War es doch mal ein Buch zu viel, brauchten die Eltern das nicht zu wissen. Alle Feiertage düste man per ICE und nicht gestapelt in 8 verschiedenen Regionalbahnen, zu den Eltern und im Gepäck befand sich keine Dreckwäsche mehr, sondern eine gute Flasche Roter. Das Geheimnis des Weichspülers war längst gelüftet. In Regelmäßigen Abständen buchten irgendwelche Leute irgendwelches tatsächlich vorhandenes Geld vom Konto ab und da das Licht einwandfrei per Schalterdruck seinen Dienst antrat, waren es wohl die richtigen Leute.

Völlig unvermittelt geschieht genau zu diesem Zeitpunkt, dem Ende des Erwachsenwerdens, mit Elterntieren etwas völlig Irrationales.

Gemütlich sitzt man am Küchentisch und bespricht mit dem Vater, dass es doch jetzt so langsam an der Zeit wäre, den Handy-Vetrag auf einen selbst zu übertragen, da brüllt es in Manier einer rückkoppelnden Soundanlage aus einer undefinierbaren Ecke der Wohnung: „ Hast du ein Unterhemd aaaaaan?!?“ Ein Riss im Erdboden, 20 Reissäcke in China fallen gleichzeitig um, das Unterhemd klebt am schweißnassen Körper. Väter reagieren in solchen Situationen mit Humor, tätscheln der Mutter ironisch den Kopf und sagen sowas wie: „Die Kleene is erwachsen.“. Mütter hingegen ignorieren den Umstand, dass sie das a) nichts angeht und man b) ein Unterhemd trägt, völlig und lamentieren in vorbildlichstem Erziehungston über die Gefahren von unterkühlten Nieren und die Notwendigkeit von Sitzkissen auf kalten Metallstühlen. Ähnliches geschieht mit zu zahlenden Rechnungen. Erzogen sie ihr Kind mühsam zu verantwortungsbewussten, selbstständigen jungen Erwachsenen, möchten sie spätestens ab dem 25. Lebensjahr nichts lieber tun, als monatlich zur Bank zu wackeln und mit einer herzlichen Widmung an die Hausverwaltung, die Miete zu überweisen.

Erwischt man seine Mutter dann dabei, wie sie die frische Wäsche aus dem Rucksack klaut, um sie ein mal vom Nachbarshund über die Wiese zerren zu lassen, ist entgültig Schluss mit lustig. Klare, emotional aufgeladene und äußerst energische Worte werden gewechselt. Die homonelle Lage von Eltern um die 50 bemüht sich nach Kräften, ein „Lass das sein!“ in „ Haare färben ist ungesund! Besonders im Winter!“ umzudeuten und erst wenn man den Pulli nach oben reißt und der Mutter das in die Hose gestopfte Unterhemd präsentiert, verstummt sie. Der Vater indes, öffnet eine neue Flasche Wein. Erstraunlich ist es schon, dass Väter meist aus eigenen Stücken akzeptieren, dass Kinder irgendwann ihr Ding machen. Vielleicht, weil Väter ihre Kleinen schon immer ihr Ding haben machen lassen. Das ist aber eine andere Geschichte.

Schlussendlich einigt man sich stillschweigend auf einen Kompromiss. Man räumt den Eltern eine gewisse Zeit des Übens ein, bis sie in der Lage sind, die Klappe zu halten, auch wenn unsinnige Sorge sie drängt, Qautsch zu plappern. Im Gegenzug akzeptiert man stillschweigend, dass sie einem alle drei Monate ein Fieberthermometer oder die 3. Salatschleuder aus dem Doppelpack (ich frage mich bis heute, warum…) per Eilpost zukommen lassen und dankt freundlich mit dem gedanklichen Zusatz, dass man sich keine Sorgen um das nächste Schrott-Wichteln machen muss.

Eltern sind – entgegen der landläufigen Meinung – ziemlich tolle Teile.

Und irgendwie ist es ja auch beruhigend, dass sich jemand schon jetzt darum sorgt, dass wir uns in Zukunft nicht in die Hose machen, weil wir genug Socken, Unterhemden und Fieberthermometer in unserer schön warmen Wohnung haben.

 Ich ruf jetzt mal Mutti an. Macht man viel zu selten. Tüdeltüüü.

Ey echt, es wäre vieles kein Problem, wenn Menschen nicht so krank wären: ein Text, in dem Nietzsche vorkommt

LuiseFrentzel (2)Es folgt ein schwammiger Satzanfang: Ich habe vor etlichen Jahren mal irgendwo gelesen, dass sich Wissenschaftler, Mitglieder unterschiedlichster Religionen und, wenn ich mich recht erinnere, auch einige Politiker zusammen in einen finsteren Raum setzten und über Glück sprachen. Klingt nach dem leidlich spannenden Anfang eines Krimis, ist aber der Beginn der Glücksforschung.

Eigentlich schlage ich mir in solchen Momenten gerne ein rohes Ei auf den Kopf und zitiere Sebastian23: „Eeeesoterik ist nicht mein Ding, weil ich dafür nicht doof genug bin.“. In diesem Fall werfe ich nur mit Konfetti und spucke in den Salzstreuer, denn die Herrschaften suchten ernsthaft nach einer rational greifbaren Antwort und kamen zu einer Erkenntnis, die, so simple sie auch scheint, irgendwie alle Fragen der Menschheit nach dem Weg zum Glück beantwortet. Das Stichwort heißt Gesundheit. Psychische und Physische, versteht sich.

Keine Angst, das soll nun kein Beitrag für Muttis werden, die Knoblauch in Socken stricken und ihre Säuglinge mit Pferdeschweiß einreiben, bevor sie sie kalt abduschen. Viel mehr ist dieser Gedanke für mich der Anstoß, um über die Leichtigkeit des Seins nachzudenken.

Nehmen wir mal an, die Realität sähe folgendermaßen aus:

„Das menschliche Zusammenleben wäre auf eben dieser Welt und den selben Lebensumständen auf Null gesetzt worden und es gäbe nur eine Regel: alle haben ein Recht auf Gesundheit, seine eigene darf man aber selbstredend in jeder Form weiter gefährden, wie man lustig ist. Man würde jedem Menschen ein kleines „Dings“ in’s Hirn stecken, dass jeden Gedanken, der die Gesundheit eines anderen gefährdet, sofort vergessen macht. Da das eine Phantasie ist, beschließe ich auch einfach mal, dass allen klar ist, dass per Krankenkasse definierte und noch in Definition befindliche Gebrechen nicht unter die Begrifflichkeit der hier gemeinten Gesundheit fallen. Wenn Pascal-Anton vom Baum fällt und sich den Arm bricht und gleichzeitig erkältet, kann da keiner was für. Wenn Pascal-Anton allerding vom Baum gestoßen wird oder vom Hochhaus springt, weil er seit Kindesbeinen gemobbt wird, sind wir bei der Gesundheit angekommen, um die es geht. Auch die systematische Ausbeutung vieler Völker und die Zerstörung der Umwelt sind Handlungen, die ich als „Dauerdissen im großen Stil“ bezeichnen möchte und die natürlich die Gesundheit gefährden. Müssten nun alle gesund sein, könnten wir Umwelzerstörung, schwanzvergleichende Weltmächte, kriegstreibende Machtmonster, marodierende Banken und rumpöbelnde Großkonzerne schon mal ad acta legen. Wir würden augenblicklich aufhören, Pascal-Anton mit Popeln zu beschnippsen und unseren Lehrern nicht mehr zuzuhören. Der Bildungsetat würde radikal angehoben werden, damit Kind und Kegel und zugehörige Macher weniger lange drüber nachdenken müssen, was sie denn jetzt alles nicht mehr machen dürfen, sondern sich lieber dank Wissen und Selbstwert dazu aufmachen, coole Sachen für glückliche Menschen zu bauen. Unter anderem auch für sich selbst. Arbeit würde in allen Sparten ausreichen bezahlt werden und sich so gestalten, dass man da vielleicht auch mal gerne hin geht oder sie zumindest nicht die psychische und physische Gesundheit zerstört. Wir wären einfach nicht mehr unzufrieden, weil keiner mehr etwas tut, was andere unzufrieden macht. Und da das immer noch eine Phantasie ist, versteht sich von selbst, dass ich an dieser Stelle nicht meine, dass die Menschheit ihr Leben lang dauerhigh aufgekratz und ultragut drauf durch den Tag hottet, sonder die Grundzufridenheit im Leben, deren Mangel krank macht, gewährleistet ist. Das einer stirbt, man traurig ist, die Liebe geht oder nicht jeder die Kohle für ne Playstation hat (soll ja für einige ähnlich dramatisch sein), sind Dinge, die zum Leben gehören, die aber keine Gefahr für unsere persönliche Lebenszufriedenheit darstellen, sobald, und das ist wichtig, alle anderen Vorraussetzungen für unsere geistige und körperliche Gesundheit stimmen. Gesundheit, damit uns unbeeinflussbare Ereignisse nicht vollends aus der Bahn werfen, Gesundheit, die man auch außerhalb unserer kleinen Lebenrealität jedem zugestehen sollte, Gesundheit im flowerpower Sinne von „alle haben sich lieb“ und so gehen wir auch mit uns und anderen um.“

Ich denke, es wird klar, was ich meine. Wenn nicht, ist das auch egal, denn das war ja nur die Vorrede in Form von Phanasie und die muss ja bekanntlich nicht jeder verstehen.

Denn eigentlich geht es um den Lebensalltag in unserer schön sicheren, westlichen Welt. Folgende Situation: völkerrechtlich bedenkliche Zustände in der Ukraine. Wenn überhaupt, werden „Bildweisheiten“ ausgepackt, lang haltbare Phrasen á la „was geht es uns an“ schütteln sich wie von selbst aus dem Ärmel, irgendjemand stellt fest, dass die ukrainische Familie in der Wohnung über ihm auch irgendwie ganz schön ätzend ist und dass sowieso alle Russen ziemliche Schweinehunde sind und dass jetzt hoffentlich nicht alle Schwulen Russen zu uns flüchten, denn es flüchten ja immer alle zu uns und dann müssen wir die wieder für’s Arschficken bezahlen, weil die ja sonst nix können, und der Helmuth, der im Haus neben der Tante im schmucken Vorörtchen wohnt, in seinem Haus, dass er noch mit seinen eigenen Händen gebaut hat, und in dem er jetzt den ganzen Tag Zeitungsartikel über die Russen und Polen und alle anderen, die immer zu uns wollen, ausschneidet, weil er nämlich von so einem den Job geklaut bekommen hat, denn der Helmuth hat nur eins zwei mal während der Arbeitszeit getrunken, weil ihn die Helga verlassen hat nach 30 Jahren Ehe, das muss man sich mal vorstellen und der hat ja auch gesagt, dass die Russen und Ukrainer und Polen und besonders die Vietnamesen ein ganz bedenkliches Völkchen wären und da könne man schonmal sagen, dass die da ja vielleicht auch selbst Schuld haben und was geht uns die Schuld der anderen an?

Und dann stehste da vor einem Menschen, der so gar nicht danach aussieht, als hätte er in irgendeiner Form täglich ne Horde Igel zu kämmen, und dann denkt man, man könnte vielleicht eine ganz harmlose Wissenlücke schließen und das man das doch auf jeden Fall erklären kann und jeder, der nicht völlig ab vom gesunden Menschenverstand ist, doch ganz schnell begreifen müsste, dass das Quatsch ist, sich in die Hände spuckt und zumindes einräumt, dass er die Situation gar nicht so richtig überblickt und dass das Zusammeleben von 7 Milliarden Menschen schon ne komplizierte Sache ist und man mal ein bisschen länger drüber nachdenken müsste, um sich ein Bild zu machen und dass man ja selbst so oft Verstanden werden muss, weil man ja sonst echt von allen blöd gefunden wird und dass man dann mal gucken müsste, dass man die anderen auch ein bisschen mehr versteht. Und dann…fängt man an, zu diskutieren, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste, aber einfach nicht anders kann.

Unser – vielleicht sogar unwissentlich – rechts außen rumgammelnder Freund, der so wunderbar witzig ist, wenn man mit ihm ein Bierchen zischen geht und der so liebenswürdig zuhört und einfach mal nichts sagt, wenn der Tag stressig war und der Partner schon wieder seine dreckige Buchse im Waschbecken hat liegenlassen, kämmt offenbar nicht nur Igel, sondern auch Schweinehunde, Blindschleichen, Geldwinkekatzen, Faultiere, Trauerklöße, Frusttiere und heimlich, still und leise auch noch Egomanen. Um das mal zu übersetzten, fehlt es am nötigen bisschen Geld, dass es einem ermöglicht, nicht ständig über Geld nachdenken zu müssen. Es fehlt an Sinn im Job, der das Gefühl von Arbeit als Bürde und Ausbeutung verschwinden lassen würde. Es mangelt am Gefühl, irgendwie auch mal wichtig zu sein, mit dem was einem so wiederfährt und was einen bedrücken könnte. Es mangelt an Zuneigung, die völlig losgelöst ist von dem, was man leistet und vorzuweisen hat. Es fehlt die Perspektive, die man sich selbst erschaffen müsste und gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Es fehlt wirkliche Disziplin und es mangelt aber besonders an der Akzeptanz und Leichtigkeit, dass man selbst eben einfach nicht so wichtig ist in einer so großen Welt und dass das eigentlich auch gar nicht so schlimm ist. Dieses unbestimmte Grundgefühl zum Leben, dass der Sinn des Lebens der ist, zu leben, einfach da zu sein, zu genießen, dass die Sonne aufgeht, irgendwer irgendwo sein Kind in den Arm nimmt, jemand lauthals lacht, mindestens 30 Leute im Umkreis von 10 Kilometern einen Orgasmus haben oder in ein leckeres Frühstücksbrötchen beißen und dass es irgendwie nett ist, Teil dieses Lebens zu sein.

Es gibt genug Philosophen, die sich zu genüge mit dieser Thematik beschäftigt haben und ich gehöre nicht zu denen, die sich mit Sartre und Nietzsche zu messen wagen. Festhalten kann ich aber nach diesen vielen vielen Worten, dass dieser Mensch wohl unzufrieden sein muss. Und zwar grundlegend. Und wie bereits erahnt, macht Unzufriedenheit krank. Paart sich dieser Zustand mit der Angewohnheit, selbigen zu ignorieren, geschweige denn zu hinterfragen, kommen wir bei folgendem Satz an:

„Ey man, dass du immer aus allem ein Problem machen musst. Lass es doch mal gut sein.“

Ich lasse es aber nicht gut sein. Ich kann nicht. Ich möchte gerne meine Meinung nehmen uns sie diesem ignoranten Objekt da auf der anderen Seite des Tisches überstülpen. Ich möchte die ultimative Weisheit, die ich gepachtet habe, gerne im Weisheits-Sharing zur Verfügung stellen und die Demut dem Leben gegenüber als Werbegeschenk verschicken. Natürlich ist es anmaßend, Menschen einfach mal in ziemlich doofe und irgendwie kranke Frischhaltefolie zu verpacken, und so lange mit dem Fleischklopfer drauf einzuhauen, bis sie platt genug sind, sich durch den engen Spalt zur ganzheitlichen Weltsicht schieben zu lassen. Ich kann es nicht gut sein lassen, weil ich mich gerne eines Besseren belehren lassen würde, wenn da mal etwas Besseres kommen würde. Ich kann nicht einfach mal nicht diskutieren, weil ich die Gefährdung der Gesundheit und meiner damit verbundenen Assoziation des Glücks für alle schlicht und ergreifend als bedrohlich empfinde. Ich möchte über alles reden können, weil wir über alles reden können müssen, um den Schritt aus einem drögen „in eine ungewisse Zukunft steuern“ zu wagen. Ich möchte mich nicht anstecken lassen von den vielen vielen kranken Menschen, die so sehr leiden, dass sie es permanent teilen müssen und entgegen dem Sprichwort das Leid verdoppeln, indem sie blind vor Schmerz um sich treten und an gar nichts anderes mehr denken können, als an die eigenen Qualen. Ich möchte einene Weg finden können, der es allen ermöglicht, in gebührendem Maße glücklich zu sein.

Verzeiht mir diesen pathetischen Ausbruch. Ich habe absolut keine Ahnung, wo man anfangen sollte, was getan werden müsste, kann ich auch nur mutmaßen, ob es realisierbar ist, mit ganz viel Liebe und einer ordentlichen Portion Durchhaltevermögen und sicherlich einer langen Zeit des Verzichts mal wieder ein Gefühl von „one world“ zu erschaffen, kann ich nicht beantworten, aber ich wünsche es mir. Ich möchte mich mal wieder anstrengen müssen. Schon alleine deswegen, weil ich nicht aus der Kneipe gehen will und mich fragen muss, ob ich einen Nazi zum Freund habe oder zumindest jemanden, der ernsthaft von allem nichts gewusst hat, weil er mit vor Schmerz verschlossenen Augen durch die Welt geht.

Naiv kann man das nennen. Anmaßend und klugscheißend gerne auch. Das ist mir lieber als stumm. Denn wenn mir mal wieder jemand sagt, dass ich doch nicht aus allem ein Problem machen soll, dann kann ich wenigstens antworten:

„Ey echt, es wäre vieles kein Problem, wenn Menschen nicht so krank wären.“

RuhrPokal 2014 – Slam gewordene Hoffnung

Liebe Freunde der Hoffnung, ich habe etwas zu verkünden: es gibt sie noch! Also hier…Dings. Die Hoffnung.

Wen Yolo, Pisa, ein Blick vor die Tür und Facebook gelegentlich daran zweifeln lassen, ob unsere Jugen noch alle Tassen am Zaun hat oder ob gelegentlich mal die Latten im Schrank fehlen, darf hiermit zwar nicht vollends beruhigt, aber zumindest vom vorzeitgen Ergrauen durch zu viel Haare raufen abgehalten werden.

Am Sonntag fand das Finale des RuhrPokals 2014 im Bochumer Schauspielhaus statt. Anders, als bei gewöhnlichen Slams, traten hier lediglich die Jungpoeten bis 20 Jahre gegeneinander an. Zu gewinnen gab es neben einem außergewöhnlich hässlichen Pokal in Form zweier Beggipfel, auf denen jeweils ein Miniaturpoet rumlungerte, auch einen Startplatz für die diesjährigen deutschsprachigen U20-Meisterschaften.

Dazu aber später mehr. Denn im Vorfeld fand etwas statt, was man gemeinhin als Jugendarbeit bezeichnet. Den ganzen Januar über tingelten die unterschiedlichsten Poeten unter der Schirmherrschaft von „WortLautRuhr“, deren Aushängeschild kein geringerer als Sebastian23 ist, in aller Herrgottsfrühe durch Schulen des Ruhrgebiets und erzählten mal mehr mal weniger begeisterten Schülern einen vom Slam. Das ganze hatte natürlich – neben dem außergewöhnlichen Nervenkitzel für uns sonst so Ruhe liebenden Poeten – einen praktischen Zweck. Am 23. und 24.1.14 konnten die Jugendlichen kostenlose Workshop unter der Leitung der erfahrenen Poeten Sebastian23, Theresa Hahl und Tobi Katze in Bochum, Herne und Dortmund besuchen und wer Lust hatte, am Abend des 24. gleich auf die Vorrunden-Bühne zum RuhrPokal in den jeweiligen drei Workshop-Städten hüpfen, um sich für oben erwähntes Finale zu qualifizieren.

Was Frau Hahl und Herr 23 in Herne und Bochum so trieben, kann an dieser Stelle nur vermutet werden, also vermute ich mal kühn drauf los… Gutes. Was allerdings die Tage in Dortmund angeht, weiß ich mehr zu berichten und ich kann eins vorweg verraten: es gibt sie noch, die von Grund auf engagierten und herzensguten jungen Leute, die weder zwangship auf Moral pochen, noch zwangship auf Moral scheißen, sondern schlicht und ergreifend tolle Menschen sind, die mit jeder Faser Bock haben, die Welt ein Stückchen schöner zu machen.

Das Schicksal wollte es, dass ich mir eine brauchbare Kamera pumpen und mich damit unter der Pressetarnkappe ungestraft bei Workshop und Slam aufhalten durfte. Der erste Workshop-Tag in Dortmund unter der Leitung Tobi Katzes begann und endete… intensiv, da nur zwei der angekündigten Teilnehmer auftauchten. Wenn man was lernen will, gibt’s jedoch kaum was besseres, als den Fachmann quasi sein Eigen nennen zu können. Özge und Kira, die beide auch am nächsten Tag zur Vorrunde antreten sollten, schrieben, diskutierten und änderten mit ein paar Kniffen ihre Texte in Richtung knallhart guter Bühnenliteratur. Hier fiel mir schon zum erstem Mal die Kinnlade in’s Erdgeschoss, nachdem mir bewusst wurde, welche Themen die jungen Frauen beackern und welche Leidenschaft für „das Gute“ aus den Seiten sprühte.

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Tag zwei startete mit wesentlich mehr Teilnehmern, aber vorererst ohne die beiden Mädels vom Vortag. Hier wurde es für mich spannend. Ich kenne mich und meinen Geduldsfaden schon seit einer ganzen Weile, wie mögen uns nicht besonders und „Schulklasse“ ist verschämenderweise zugegeben ein Synonym für Schere. Doch mal wieder sollte ich diejenige sein, die überrascht wurde. Ein kulturell und sozial bunt gemischter Haufen Jugendlicher um die 17 Jahre inklusive Lehrergespann sammelt sich im Café des Fritz-Henßler-Hauses. Dank langfristigem Schulprojekt hatten die meisten Anwesenden bereits einen Bühnentext in petto und hey, ich vergesse auch ständig die wichtigsten Sachen zu Hause. Genaue Details des Workshops will ich an dieser Stelle nicht erläutern. Das wäre ja so, als würde ich die Geheime Zutat im Iglo Spinat verraten. Soviel sei aber gesagt, nach der Hälfte des Tages konnte jeder der Teilnehmer mit einem brauchbaren Text in die Performance-Arbeit gehen.

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Auch hier wieder dieses Knistern, dass da der eine oder andere junge Mensch einen Kopf auf den Schultern hat und sich neben Profilierungsversuchen durch Lautstärke gelegentlich auch mit etwas anderem beschäftigt, als der Kohle für die nächste Party. Großartige Teilnehmer, allesamt!

Auffällig und ein bisschen traurig ist für mich totzdem immer wieder, dass Gesellschafts- und Bildungsstrukturen es zulassen, dass junge, aufgeschlossene Mensche emotional und rein sprachlich nicht in der Lage sind, eine unbestimmte Gefühlsregung in Worte zu fassen, selbst wenn Deutsch die Mutterstprache ist. Hier zu kritisieren oder zu meckern, ist allerdings kaum gerechtfertigt und zumindest in diesem Kontext müßig, ich möchte es trotzdem nicht unerwähnt lassen. Und dann gibt es wieder DIE! Die spannenden, tollen, großartigen, begabten und so rührend reifen jungen Menschen, die allein auf einem Workshop auftauchen, still und trotzdem präsent im Raum schweben und dann plötzlich auf der Bühne den Mund aufmachen und die Zeit bleibt stehen. Beeindruckende Wesen, die Worte als Pinsel benutzen und Bilder malen. Häufig Traurige, oft viel zu Desillusionierte, aber trotzdem bezaubernd Klare und Lebendige. Und dann sitz man da, mit einem Buckel von unangemessenerweise zu viel Lebenserfahrung und möchte gerne sagen:“Alles wird gut. Hier bist du richtig, du wandelnde Kunst.“, und verkneift es sich, weil man das Gefühl hat, dass es einem nicht zusteht. Das sind Begegnungen, die zu kurz sind, um sie greifen zu können, die aber nie wieder in Vergessenheit geraten. So auch an diesem Tag auf einem schlichten Slam-Workshop.

Aber genug des misteriösen Worte, der Workshop neigte sich nach einer Intensivkur Permormance dem Ende zu und es fanden sich geschlagene neun mutige Teilnehmer – darunter auch einige aus dem Workshop – die sich am Abend auf die Bühne wagten.

Özge Fatima

Teils erst ein paar Stunden zuvor entstandene Texte traten samts den zum ersten Mal auf einer Slam-Bühne stehenden Poeten gegen erfahrenere U20 Slammer an. Ein wenig ärgerlich war es schon, dass die Werbung im Vorfeld leider so gut wie nicht exsistent war. Trotz allem war das Café mit gut 35 Leuten besetzt und die Stimmung kochte – nicht zuletzt dank Tobi Katze, der sich die Seele aus dem Leib moderierte, und den großartigen Slammern, die auf der Bühne über sich hinaus wuchsen – über. Das Sahnehäubchen hieß an diesem Abend Fee, ihres Zeichens die amtierende U20 Meisterin im Poetry Slam, die dem außergewöhnlich jungen Publikum als featured Artist zeigte, wo der Hammer hängt. Die drei Punktbesten dieser Vorrunde sollten also am Sonntag nach Bochum reisen, um sich dort mit den Siegern aus Herne und Bochum zu messen. Dortmund sendete mit knappem Punktvorsprung Fatima, Özge und Kira.

Tobi Katze Die goßartigen Poeten des Abends

Und damit schließt sich der Kreis. Sonntag fand also das Finale statt. Jason Bartsch, Lisa Schoeyn und Fatima Talalini stachen unter den 9 Finalisten heraus, denn diese drei Tummeln sich auch sonst regelmäßig auf den Slambühnen, was eindeutig spürbar war. Somit ist es also nicht verwunderlich, das Fatima und Jason klar in’s Final-Finale einzogen. Sven! nannte sich der Ditte im Bunde und bestach mit humorvoller Lyrik und unverholener Klugheit und Andersartigkeit. Özge und Kira erreichten das Finale leider nicht. Jason Bartsch gewann am Ende eindeutig und darf sich nun Ruhrmeister 2014 nennen. Gratulation dazu.

Was für mich allerdings viel wichtiger ist: alle 9 Poeten, die an diesem Abend – der übrigens von Sebastian23 und Theresa Hahl moderiert wurde – die Bühne betraten, hatten eine so bestechende, so ehrliche und so hoffnungsvolle Kraft und wirklich was zu sagen, was aus einer ernsthaften Überzeugung rührt, dass ich nur noch vor Freude quietschen konnte. Junge Mensche, denen nicht egal ist, was auf dieser Welt außerhalb ihres eigenen Kosmos’ geschieht. Junge Menschen, die kämpfen wollen, für Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Junge Menschen, die ihren Humor und ihr (verzeiht mir diese Theatralik) Leuchten noch nicht verloren haben und das hoffentlich auch nie werden. Absolut wundervoll!

Ich bin überaus dankbar, dass ich an diesen drei Tagen teilhaben durfte und noch dankbarer, dass es so schöne Menschen unter uns gibt und letztendlich dafür, dass ich mich eines Besseren belehren lassen durfte. Es gibt sie noch, die Hoffnung.

Infos wie immer zum Schluss:

WortLautRuhr: http://www.wortlautruhr.de

Schauspielhaus Bochum: http://www.schauspielhausbochum.de

Sebastian23: http://www.sebastian23.com

Tobi Katze: http://derkatze.de

Theresa Hahl: http://www.theresahahl.de

DEW21 (in diesem Fall der Sponsor der Dortmunder Veranstaltungen und absolut bemerkenswert, wenn es darum geht, Kultur im Ruhrgebiet zu fördern):  http://www.dew21kultur.de

Fritz-Henßler-Haus: http://www.fhh.de

Damit endet ein emotionl geladener Beitrag und ich hoffe, ihr gebt die Hoffnung nie auf. Liebe!