Auf vielfachen Wunsch: Ode an die Lebensfreude

Ode an die Lebensfreude

 

Ich rede nicht gern, besonders nicht vor vielen Leuten.

Ich glaub‘ nur selten daran, dass meine Worte was bedeuten,

denn sie sind wütend und schwer,

und zeichnen zynisch-blutleer ein Weltbild,

das im Pförtnerhäuschen nach Mordor hängen könnte.

 

Ich fühl‘ mich unwohl unter Menschen, denn ich bin introvertiert.

Ich bin die, die in Gesprächen dein Intro kopiert,

weil ich gar nicht weiß, wie das geht:

„einfach mal was zu erzählen“.

 

Ich bin bedeutungsschwanger im 336. Monat,

ich weiß, das sieht man mir kaum an,

aber manchmal könnt ich kotzen und dann ist da noch der Drang,

alles in mich reinzufressen bis zum nächsten Gefühlsausbruch.

 

Ich bin zwiegespalten, damit ich mich nicht einsam fühl‘.

Ich will die Welt anhalten, denn der Fahrtwind ist zu kühl

und außerdem wird mir bei dem Tempo schwindlig.

 

Ich bin nicht mega „weiblich“, Eier hab ich trotzdem keine.

In Geschlechterrrollenspielen verliere ich schon seit ’ner Weile

die Nerven, weil ich die Regeln nicht verstehe.

 

Ich bin Af-depremiert, weil dieser Hass mein Herz beschwert.

Ich bin IS-iritiert, weil dieser Hass mir nicht erklärt,

was Gott eigentlich mit den ganzen abgehackten Köpfen vorhat.

 

Ich male schwarz, das passt halt einfach immer.

Und dann schreibe ich Texte drüber, streue Salz auf meinen Finger,

und leg ihn in die Wunde!

Denn doppelt hält besser und man sagt ja auch, dass es erst schlimmer werden muss,

bevor es besser wir und überhaupt: irgendjemand muss es ja machen, den wer nicht kämpft hat schon verloren.

 

Das klingt doch frustrierend.

 

Und ich weiß nicht, ob das richtig ist. Es fühlt sich gerade nicht so an.

Wenn die Welt an uns zerbricht, kommt’s doch gerade drauf an ,

mit dem Finger auf das Gute zu zeigen, statt auf das Schlechte,

das man sowieso nur dann übersehen kann, wenn man eh nicht hingucken will.

 

Sogar ein Mensch wie ich lacht!

Ich weiß, es ist schwer zu glauben.

Aber vielleicht wär’s langsam an der Zeit, dass wir uns mal erlauben,

zuerst über die guten Dinge zu sprechen.

Über Sex über Schokolade.

Über nächtelange Wortspiele und Sex und Schokolade.

Über 80jährige Pärchen, die immer noch Händchen halten,

über Gott und die Welt und Essen bei Mutti und Flieger aus Eintrittskarten falten.

Über Freunde und die, die es vielleicht mal werden.

Über Arbeit, die nicht nur da ist damit wir uns nicht langweilen, bis wir sterben.

Über die Farbe Blau, weil sie hübsch ist, genau wie alle andern Farben.

Über Musik die so gewaltig ist, dass wir sie kaum ertragen.

Über innere Kinder und äußeren Frieden, über offene Herzen und Ängste besiegen.

Und über Liebe, an der man sich besäuft,

und diesen einen Tag, an dem einfach alles läuft.

 

An so einem Tag klappt der Augenaufschlag beim ersten Versuch.

Im Radio läuft ausnahmsweise Musik die ich mag,

das Fenster lässt von allein den Vorhang fallen,

und ein Sonnenstrahl pinkelt seinen Namen in den Tag.

 

Ich bin die Herzkönigin, einfach, weil ich eins habe.

Ich trage eine Baumkrone und verfüge, dass man Wurzeln nicht mehr schlage,

weil’s weh tut… und weil es noch so viel zu sehen gibt,

wohin ich alle, die gern mitwollen, in meinem Herzen trage.

 

Ich verprasse mein gesammtes Durchhaltevermögen,

denn ich will mit dem Leben spielen.

Mit Veilchen und Bogen auf Wutbürger schießen,

und mit Aufmerksamkeit auf Kinder zielen.

 

Und wenn ich dann schlafen gehe, dann ist da nichts Böses.

Keine Kleingeister die mich im Traum noch plagen.

Kein Trump unterm Bett, keine Petry im Schrank,

nur Leichtigkeit und Sex und Schokoladen. Plural.

 

Und ich wage es zu selten, davon zu erzählen,

denn das scheint mir alles so irrelevant,

zu unwichtig, um eure Zeit zu verschwenden,

gegen jeden gesunden Menschenverstand.

 

Wen interessiert schon, was den andern glücklich macht?

Was bedeutet die kleinen, frohen Minuten,

in einer Welt, in der mit Pech vielleicht über Nacht,

nicht nur Herzen sondern Menschen bluten?

 

Sie bedeuten alles! Weil sie uns Hoffnung geben.

Und wenn ich sonst auch nicht viel sage, aber davon will ich reden!

Ich will wissen, was euch Spaß macht, wann’s euch gut geht, was euch freut,

wen ihr mögt und was ihr liebt und was ihr nie im Leben bereut.

Ich will euch zuhören, wenn ihr träumt und dabei sein, wenn ihr’s macht,

denn nichts könnte mich mehr befreien, als jemand der laut lacht!

 

Und dann, dann können wir auch wieder kämpfen.

Bitterernste Schlachten schlagen, düster in die Zukunft blicken,

und auch die schwersten Lasten tragen.

 

Denn wir haben doch was zu verlieren – in jeder erdenklichen Weise.

Wenn das Gute nichts mehr wert ist, dann gewinnt die Scheiße.

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Als ich einmal sagte, ich wäre Perfektionistin… und keiner mir glaubte.

(Ein wenig perfekter Gedankengang über pefektionistisches Prokrastinieren)

Ehrlich jetzt, ich glaube nicht, dass ich nichts zu Ende bringe.

Vielleicht verschiebe ich das eine auf morgen und das andere auf eine günstigere Gelegenheit, aber irgendwann – ja, irgendwann werde ich all die Dinge tun, bei denen ich mich selbst so oft in meiner Fantasie beobachte.

Ich werde versehentlich Meisterwerke malen und sie dann verschenken. Ich werde Poesie in spanischer, vielleicht auch französischer Sprache und diesem Kauderwelsch, das man in Australien Englisch nennt, genauso mühelos genießen können, wie in meinem geliebten, aber nicht überschätzen Deutsch. Ich werde die ästhetischste und funktional bestechendste Website programmieren, die das Internet je gesehen hat und sie nur mit freudvollen, kleinen Belanglosigkeiten füllen. Ich werde Wissenschaft und Kunst vereinen, denn beide sind so unschuldig in ihrer Verantwortung. Ich werde den Plan aufgeben, mich mittels Buttersäure in Lüftungsanlagen an Menschen rächen zu wollen. Ich werde eine Möglichkeit finden, eine Metapher aus einem Rezept für Schokoladeneis zu konstruieren, die Fanatismus unwiederbringlich ad Absurdum führt. Ich werde nur mit einem Stock und einem Stück Wäscheleine ein faires Wirtschaftssystem entwickeln. Ich werde das menschliche Gehirn verstehen und in Demut davon ablassen, es ständig verändern zu wollen. Ich werde mit einem abgeschlossen BWL Master in der Tasche als Wander-Philosophin durch die Welt streifen, Gras essen und Karnickel fangen und sollte ich mich entscheiden, irgendwann wieder sesshaft zu werden, werde ich eine Erkenntnis im Gepäck haben, die das Leid der Menschheit beendet – zumindest aber die, dass man auch ohne Jack Wolfskin Jacke einen Regenschauer überlebt.

Aber vorher, ja, vorher werde ich aufhören, so maßlos überheblich zu sein.

Das schöne an Theorie ist die mangelnde Verpflichtung zur Praxis. Ist man eine scheiternde Perfektionistin, wie mein – Achtung – Hang zum Galgenhumor mich gelegentlich nennt, kommt es auf die Tarnung an. Eine aufrechte Geisteshaltung und ein luftiges Gemüt umschmeicheln die jahrelang angehäuften Polster auf meiner To Do-Hüfte. In Anflügen von Völlerei verschlungenes Wissen täuscht verlässlich darüber hinweg, dass ich es nur noch parat habe, weil mein Körper es nicht verwerten kann. Die Fähigkeit, wirklich alles in dem Maße lernen zu könne, dass der Laie beeindruckt und der Fachmann zumindest nicht entsetzt ist, ermöglichen mir den wundervollen Satz: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – nämlich dann, wenn die Erwartungen größer Null werden.“

Eines kann man aber nicht zum eigenen Vorteil verschleiern und das ist ein schlechtes Gewissen. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist der perfektionistische Prokrastinierer kein Arschloch. Er ist nicht faul und auch kein Narzisst oder Schwätzer. Er ist nur nicht perfekt. In den eigenen Augen sowieso nicht, aber viel mehr läuft er Gefahr, dass der eigene Altruismus nicht ausreicht, nichts bringt, nicht wertig genug ist und dass man noch viel zu lernen hat. Und das macht ihn unsicher.

Mich macht das unsicher. Das alle anderen mich mit meinem eigenen, völlig übertriebenen Maßstab messen könnten (den ich aber wiederum nur an mich selbst anlege), hält mich davon ab, auch endlich mal was mit dem ganzen Wissen anzufangen. Fehlerfrei, versteht sich. Die einzige Tarnung, die hier greift, ist Überheblichkeit und die ist so hässlich, dass nur die Abgeschiedenheit ihre Anwesenheit ertragen kann. Und Bücher. Am besten die, die einem erklären, wie das Leben theoretisch in der Praxis funktionieren könnte.

Die Umsetzung überlasse ich dann aber lieber anderen, die wenige Schiss davor haben, dass sie scheitern könnten.

Ein bisschen Hoffnung gibt es dennoch. Wo geistesgestörte Fanatiker mit trägen Nörglern koexistieren, wo Menschen an der Welt erkranken und die Welt sich einfach umdreht, um wo anders Dschungelcamp zu gucken, wo Kinder ohne Ratschlag und Erwachsene ohne Rückgrat leben und wo ein Hand voll Menschen mächtiger, reicher und trotzdem weniger emphatische ist, als der Rest der Erdbevölkerung zusammen, da falle ich gar nicht auf.

Da fallen wir gar nicht auf, wir Klugscheißer.

Wir Theoretiker, die in der Praxis Angst vor Fehlern haben, weil wir der Meinung sind, dass es schon zu viele Fehler gibt. Wir, die Schlaues sagen, aber nicht mal was Dummes tun, die Arbeitsverweigerer des Halbgaren. Andere haben uns noch ein bisschen Gnadenfrist herausgeschlagen. Die Möglichkeit, uns von dem Gedanken frei zu machen, dass nur das Beste gut genug ist, dass nur die höchsten Ziele die Wichtigsten sind, dass der Weltfrieden gerade erst der Beginn sein sollte und dass wir unter einer Leistung von 150% gar nicht anfangen.

Das ich selbst nicht perfekt bin, musste ich erstaunlicherweise nicht erst lernen, denn ich finde das gar nicht schlimm. Das ist auch nicht der Punkt. Ich glaube vielmehr, ich müsste es sein, um mich dem Leben in dem Maße erkenntlich zu zeigen, wie es das verdient hat. Eine unästhetischere Spaltung des Geistes und eine weniger perfekte Unart kann ich mir selbst in meiner Fantasie nicht ausmalen und die ist gut darin, das Unmögliche zu realisieren – theoretisch zumindest.

Irgendwann mal, ja, irgendwann, da werde ich alles machen, was ich mir so zusammenfantsiere. Aber vorher werde ich mein Bestes geben, nicht mehr mein Bestes geben zu wollen. Hundertprozentig!

Was du nicht willst, das man dir tu – ein angemessen verzweifelter Ausblick auf die Lage der Nation

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Jeden Morgen das gleiche Ritual. Kaffee kochen, Kippe an, Handy raus und einen Überblick verschafft, ob die Welt in der letzten Nacht untergegangen ist und ich das einfach verschlafen habe. Puh, noch nicht SO schlimm, dass sich ein kurzer Verzweiflungsausbruch über das, was momentan auf dem Globus und in den kleinen Kosmen vor der eigenen Haustür passiert, nicht lohnen würde. Nachdem ich fertig bin mit dem Verzweifeln, müsste ich eigentlich duschen gehen. Aber Tag für Tag fällt mir das schwerer, weil ich den Angstschweiß nicht mit Wasser wegspülen kann und die politischen und gesellschaftlichen Fragen, die so dringend einer Lösung bedürfen, beim darüber Verzweifeln nur noch mehr Fragen aufwerfen. Ich suche fieberhaft nach Antworten. Die einzige, die ich finde, ist die:
„Ich verstehe diese Welt nicht mehr und verdammt, ich habe keine Ahnung, wie ich das ändern kann!“.

Besonders erschreckend präsentierte sich der heutige Morgen im schimmligen Schein der Erkenntnis, dass mein allerletzter Gedanke der an die Politik ist. Schlagzeilen schießen mir in den Sinn:
„Die Demokratie frisst ihre Kinder!“,
„Die Emanzipation frisst ihre Töchter!“,
„Die Integration frisst ihre Macher!“,
„Der Frieden frisst seine Kämpfer!“,
„Die Politik frisst nur noch Geld!“,
„Die Wirtschaft frisst die Politik!“,
„Die Homosexuellen fressen unsere Schulbücher!“,
„Die Nazis fressen die Vororte!“,

„Die Radikalislamisten fressen die Satire!“
„Die AfD friss die Landtage!“,
„Der IS frisst sich langsam in die Türkei!“,
„Russland frisst ganze Inseln!“

„Der wütende Mob frisst Flüchtlinge am liebsten gut durchgebraten.“

„Und das Volk frisst alles, solange es nicht tödlich aussieht und nur schwer genug im Magen liegt, damit man in einer gemütlichen Schnitzelstarre versinken darf“.

Ich habe Angst. Ich bin schon immer eine besorgte Beobachterin, aber der Ausbruch von panischem Herumtigern im Kopfkäfig ist mir neu. Ich habe Angst, eine Meinung zu haben, weil urteilen einem einzelnen Menschen nicht zusteht. Ich habe Angst, Fragen zu stellen, um nicht Gefahr zu laufen, mich lediglich für ein kleineres Übel entscheiden zu müssen. Ich habe Angst, zu hart mit der Jugend und besonders jungen Frauen ins Gericht zu gehen. Ich habe Angst, Erwachsenen ihre Mündigkeit abzusprechen. Ich habe Angst, zu wenig zu wissen, um Standpunkte halten zu können. Ich habe Angst, im Rock auf die Straße zu gehen. Ich habe Angst, dass die Menschen in diesem Land plötzlich Masken fallen lassen, von denen ich bisher nichts wusste und dahinter nur Dummheit und Feindseligkeit zum Vorschein kommen. Ich habe Angst davor, dass nichts mehr irgendeine Konsequenz zu haben scheint. Ich habe Angst davor, dass es schon zu spät ist und ich habe Angst davor, dass ich eigentlich nicht so genau weiß, wovor ich konkret Angst habe, außer vor diesem dumpfen Gefühl, dass die Welt gerade auf allen Ebenen auf eine ziemliche Katastrophe zusteuert.

Ich versuche, Wissen anzuhäufen, um meinen Ängsten ein Gesicht zu geben. Ich lese den Koran und die Bibel, Parteiprogramme von AfD und NPD, Theorien von Rechten Aluhutträgern auf Montags-Demos, Pegida-Forderungen, die Bildzeitung und tausende Statements von jungen Frauen, die gerne ihre Freiheit für ein bisschen „Zuneigung“ aufgeben. Ich studiere BWL, nicht um wirtschaftlich zu handeln, sondern um den Feind zu kennen. Ich versuche irgendeine brauchbare Erklärung dafür zu finden, warum Menschen so einen Hass auf Homosexualität empfinden.Ich heule vor Videos von Nazi- und Hooliganaufmärschen und den tausenden widerwärtigen Facebook Kommentaren zur Flüchtlingsthematik, bei denen man sich nur noch schämen kann.

Ich probiere, die Medien nach einem Fünkchen Haltung zu filtern und ich versuche mir händeringend vorzustellen, dass Edward Snowden noch lebt.

Antworten finde ich nicht. Nur die wage Vermutung, dass die Menschheit offenbar nicht in der Lage ist, ohne Führung miteinander zu leben und dass die, die hier ihre Chance zum Führen sehen, mit dem Konzept „miteinander“ nichts anfangen können. Und was ist aus der simplen Weisheit „Was du nicht willst, das man dir tu…“ geworden? Ist das nicht mehr krass genug? Scheiße, mehr muss sich Homo Sapiens doch nun wirklich nicht merken. Ein einziger Satz, der alle welterschütternden Konflikte pauschal ausschließt.

Jaja, ich weiß, das ist leider zu kurz gedacht und entspringt einem beinahe naivem Wunsch nach Frieden.
Doch ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich mit dem Denken und Wünschen anfangen soll und gleichzeitig denke ich schuldbewusst, dass man an diesem Punkt schon fast nicht mehr friedlich handeln kann.

Ich bin keine Freundin von unreflektiert in den Orbit gepusteten Gedanken, doch ich mache mal eine Ausnahme. Wenn ich mir was wünsche dürfte, nur für dieses Land, dann wäre es folgendes:
Ich möchte Bildungszwang. Eltern- und Erwachsenenbildung genauso, wie ein Bildungssystem, dass sich sowohl an der Realität der Welt, als auch an der Realität der Lernenden orientiert. Ich will, dass Sozialarbeiter und Pädagogen ein fester Bestandteil aller öffentlichen Einrichtungen werden. Ich will, dass Polizisten und Sicherheitsleute auf ihre Ideologie abgeklopft werden. Ich will überhaupt keine Ideologien mehr, außer die der gegenseitigen Rücksichtnahme. Ich will, dass junge Mädchen darüber aufgeklärt werden, was ihre Mütter für sie an Freiheiten erkämpft haben und ich will, dass diese Freiheiten nicht benutzt werden, um den Spieß umzudrehen und sich an den Männern für die letzten Jahrhunderte zu rächen. Ich will kulturelle Vielfalt, aber ich will mich nicht einer Kultur beugen müssen, die ich nicht als die meine empfinde. Ich will, dass „Geschlecht haben“ und „Mensch sein“ endlich getrennte Bedeutungen haben. Ich will ein Grundeinkommen für alle, damit Ungleichheiten an den Entstehungsherden von Feindschaft ausgeräumt sind. Ich will eine Liste von Homophoben Paaren und jeden Abend, wenn sie gemeinsam in ihr unterkühltes Bett gehen, soll eine Masse von Menschen vor dem Schlafzimmerfenster stehen und laut „Igitt“ schreien. Ich will ein Grundverständnis von Aufmerksamkeit und Zuneigung gegenüber allen menschlichen Lebens, egal wie unterschiedlich es auch sein mag. Ich will, dass die Menschen nicht mehr dumm sein wollen. Ich will, dass die komplette Welt auf einem Wissens- und Entwicklungsstand ist, auch wenn alle reichen Nationen dieser Welt dafür endlich mal was abgeben müssen. Ich will im Rock in den Supermarkt gehen können, ohne für die Hälfte der Passanten eine Hure zu sein. Ich will Transparenz in allen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen. Ich will, dass Religion nicht mehr als Deckmantel für Ideologie benutzt wird. Die Menschheit ist zu alt, um noch an den Weihnachtsmann zu glauben. Ich will, dass diese Irren, die den Unterschied zwischen Geisteskrank und Glauben nicht kennen, weil sie…naja, geisteskrank sind, sich einfach in Luft auflösen. Ich will, dass all diese vor Dummheit und Hass triefenden Wahnsinnigen vor den Flüchtlingsunterkünften der Nation auf der Stelle weggesperrt werden , und wenn nicht, dann will ich eine Waffe.

Ich weiß, dass man das nicht sagen darf, aber ich ertappe mich dabei, dass ich genau das denke und ich wünsche mir am allermeisten, dass ich das nicht mehr denken muss. Ich versuche mich mit halbgaren Erklärungen aus meiner eigenen gedanklichen Radikalisierung zu retten.

Ich vergleiche Homophobie mit der unerklärlichen Angst vor Spinnen, rechtfertige Belästigung mit kulturellen Unterschieden, beruhige mich damit, dass die radikalen Nazis, Religionsfanatiker, Unternehmen, Politiker, Rassisten und Völkermörder im Vergleich zu gesamten Menschheit doch noch wenige sind und dass irgendwann der Leidensdruck schon groß genug sein wird, damit sich die Menschheit wehrt gegen politische Untätigkeit und wirtschaftliche Einflüsse auf gesellschaftliche Entscheider. Oder zumindest dieses Land. Ich denke, dass das ja schon immer so war und die Bombe wohl nicht explodieren wird. Aber eigentlich bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Vieles ist neu. Wir sind freier, als es jemals eine Generation vor uns war. Wir sind vernetzter, als die Menschheit es sich noch vor 20 Jahren träumen ließ. Wir haben Zugang zu allen Informationen und sind in der Lage, wirklich zu entscheiden.

Und all das veranlasst die Menschen dazu…nichts davon zu nutzen? Das ist doch Irrsinn. Ein YouTube-Video zu teilen, retten kein Menschenleben.

Das wirklich Bittere an dieser Nicht-Haltung ist, dass man diesmal nicht sagen kann, man hätte von nichts gewusst. Wir steuern sehenden Auges auf Katastrophen zu und die, die das ganze in Bahnen lenken, sind gewiss nicht die, die vor dem Abgrund bremsen.

Ja, ich habe Angst. Ich hab Angst vor dir, liebe Menschheit und davor, dass du kein Gewissen mehr hast, wenn du schon dein urmenschliches Rückgrat aufgibst.

Ich möchte nicht akzeptieren müssen, dass unsere Art wirklich so ist. Dass sie einen Feind braucht und diesen in ihren eigenen Reihen sucht. Ich möchte nicht wahrhaben, dass wir Menschen faule Schweine werden, sobald es uns zu gut geht. Ich möchte nicht, dass wir aufhören, das Leben anderer zu schätzen, sobald es uns selbst schlecht geht. Ich kann nicht akzeptieren, dass wir uns weigern zu denken UND zu handeln und ein Herz zu haben, das nicht nur für uns selbst schlägt.

Ich will Liebe! Und wenn es soweit ist, will ich eine Schlagzeile, die verkündet, dass die Menschheit ihre Ängste gefressen hat und nun wirklich endlich satt ist.

Schande über mich…

Ja, ich gebe zu, drei Monate sind irgendwie nicht so richtig zu entschuldigen.
Zumindest nicht mit:

“ Ich war mal eben…ähm…Zigaretten holen.“

Stimmt auch nicht. Ich war…ähm…unter der Dusche. Aber nur zwei Monate und dann war ich so schrumpelig, dass ich nicht tippen konnt. So, da guckste!

Alles Quatsch übrigens. Ich war weder zu faul noch zu einfallslos, sonder ich hatte nur schlicht und ergreifend alle Hände voll mit dem zu tun, was eine gute BWL-Studentin nun mal so macht. Unternehmen gründen zum Beispiel.

Tadaaaaa, bumm tsssss:
MikroLiteratur Networking heißt das schnittige Teil und wenn mir das Finanzamt nicht gesagt hätte, dass man das ganze Agentur nennt, hätte ich es wohl als Bühnenliteratur-Künstler-Ghostwriting-Texter-Kreativ-Veranstaltungs-Geschenk-Hybrid bezeichnet.

Warum das nicht ging…? Ein wenig eitel waren die Ämter ja schon immer mit ihren Begrifflichkeiten.
Also schaut lieber selbst vorbei:

MikroLiteratur Networking

Coole Sache, sag ich euch.

Nun kann ich aber so langsam wieder an Anderes denken, als an Meta-Tags und den schmalen Grad zwischen Wirtschaft und (Text-)Kunst und dann gibt es auch wieder regelmäßig wirre Artikel mit creepy Titelbildern zu bewundern – wie ein unbemannter Autounfall.

Eins noch, bevor ich mich zu Kreuze kriechend verabschiede. Die Poetry Slam Saison startet alljährlich mit einen bombastischen Knall. Deutschsprachige Meisterschaften im Poetry Slam sind angesagt, Dudes und Dudettes…ähm…Dudinen? Wie auch immer, Mädels. Dieses Jahr geht es in Dresden vom 28.10.-1.11. rund. Die Besten der Besten sind qualifiziert und einer wird am Ende der Allerbeste. Logisch, oder? Bevor einer fragt: Nein, ich bin nicht dabei. Und nein, das ist auch nicht schlimm. So habe ich viel mehr Zeit, um die bereits ausgelosten Vorrunden in süße Playlist zu verschnüren für die, die keine Tickets mehr bekommen haben (wollen).

Vorrunde 1:

Weiter gehts damit morgen.

Liebe Blog-Leser, ich mag euch sehr dafür, dass ihr ein geduldiges Völkchen seid.

Bis zum nächsten Mal, badumm tsss.

Unnützes Wissen ist brauchbarer als Mathe

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Auch diese Weisheit fällt unter unnützes Wissen, das nur denen was nützt, die Mathe unbrauchbar finden und ziemlich unnütze ist, weil es das Problem auch nicht löst. Also das Matheproblem.

Ich mag Mathe. Im Sinne von rechnen. Das andere Mathe überlasse ich ruhigen Gewissens den schleierhaften Brains, die hinter 19 56 39 90 47 eine Sinn erkennen und auf der Basis – zugegeben recht hübscher – Ziffernfolgen Brücken bauen können. Nach meiner Lösungsstrategie kommt nur Antrax raus. Oder Aids. Was ich dann nicht mehr heilen kann. Also lass ich das.

Dann gibt es aber wieder Dinge, die mal irgendwer irgendwo aus unerfindlichen Gründen festgestellt und dann erforscht hat, weil der Mensch manchmal offenbar zu viel Zeit hat.

Bevor er Aids erfindet, hält er sich dann lieber mit Dingen wie „dem Sauberkeitszustand der Hochglanz-Treter an den Tapsfüßen gut gekleideter Geschäftsmännern und deren Aussage über die Arbeitsmoral und den Erfolg“ bei Laune.

Die Theorie dahinter lautet in etwa so: „Je sauberer die Schuhe, desto unerfolgreicher und fauler der Schnösel.“ Da lässt sich doch eine Parallele erkennen. Erklärt wurde diese bahnbrechende Erkenntnis damit, dass ein erfolgreicher und versierter Boss erstens keine Zeit und zweitens keinen Anlass zum ständigen Polieren und Pflegen der Latschen hat. Der macht seinen Job, hat das Ruder in der Hand und muss sich nicht über strahlende Lackschuhe definieren, weil er andere Qualitäten hat. Bling bling Schuhe scheinen auch nur denen aufzufallen, die selbst nur hängenden Kopfes oder beim Pennen auf ihre Schuhe gucken. Wenn man da schon ständig hinguckt, soll’s wenigstens schön sein. Geschäftsmänner tragen ihren Status also an den Sohlen und used look ist hip… Diggi.

Aha, so ist das also. Doppel-Aha, ich liebe diese Weisheit! Als ich diesen Artikel in einer Zeitschrift las, trug ich persönlich Plateau-Schuhe mit blauen Sohlen und Schlaghosen. Es wird also Ende der 90er gewesen sein. Und dieser Fetzen „Wissen“ brannte sich so nachhaltig in mein Unterbewusstsein ein, dass ich immer – wirklich IMMER – auf die Schuhe gucke, sobald jemand einen Anzug trägt. Man kann es Einbildung nennen, aber ich bin überzeugt, dass da was dran ist. Zumindest ist es sehr heilsam, wenn ein Ekelchef rumekelt, die Erbsünde auf seine Mitarbeiter abwälzt und einen am Boden liegend wenigstens noch etwas anfunkelt. Trippel-Aha.

Unnützes Wissen ist beinahe wie eine Religion ohne Kirche.

Kein Halt mehr im Leben? Dann an irgendwas glauben, was keinem Schadet, die Situation aber erträglicher macht. Toll! Und hilfreicher als Mathe. Ich kenne niemanden, der in der Krise erst mal schnell die dritte Wurzel von Pi berechnet. Aber Menschen einordnen, weil sie saubere Schuhe haben? Großartig!

Und selbst Dinge wie „Eisbären sind Linkshänder“ und „Haie können nicht rückwärts schwimmen“ tragen doch zumindest zur Erheiterung bei. Sollte man irgendwann mal in der Situation sein, dass das Leben davon abhängt, einem Eisbären ein treffsicheres high five zu geben, kannste mit Mathe auch einpacken. Die Voraussetzung wäre natürlich, dass das stimmt. Aber wer weiß das schon. 50/50 Chance. Oder so.

Und was ist eigentlich mit der Schärfung unseres Bewusstseins für die Wunder der Natur?

Erdbeeren sind Nüsse, Tomaten Obst und Blauwale haben einen drei Meter langen Penis. Irre! Würde da stehen 33m/3m=11m > 1,83m/0,14m= rund 14, versteht das kein Mensch! Aber im Kontext zur Penislänge lässt sich daraus schließen, dass der Mensch im Verhältnis zur Körpergröße echt nen kleinen Schwanz hat, vergleicht man ihn mit einem Blauwal. Das muss man nicht wissen, schadet aber auch nicht bei der Partnerwahl.

Ja, ich mag unnützes Wissen und verstehe Mathe nicht. Und ja, ich glaube nur an das, was ich auch verstehe, selbst wenn es nichts zu verstehen gibt. Das ist schrecklich dumm, aber menschlich und damit, obwohl unnütz, verständlich, verstehste?

 

Das Schweigen der Kenner

Lustein

In der Ruhe liegt die Kraft.

Geduld ist eine Tugend. Zeit ist relativ. Morgen kommt der Weihnachtsmann, IHR BLÖDIS!  Die Weisheiten der Generationen „Hast du es eilig, setzt dich hin“-Prediger sind mein persönliches Äquivalent zur Weltformel. Theoretisch möglich, aber praktisch kannste auch mit nem Einhorn zur Arbeit reiten. Herr Einstein: E=mc²…was soll das sein? Eile=müde*doppelte Cola? Erfolg=Macht* (Charakter*Charme)? Erfüllung=Mensch*bei beiden stimmt die Chemie? Erholung=Meuterei* mindestens zwei verpasste Chancen?

Endstation=mach ich nicht*Chaos²!

Energie=Masse* Lichtgeschwindigkeit². Das hält mich also auf dem Boden. Wenn ich mich schneller bewege, als ich eigentlich kann und dabei immer schwerer werde, presst mich die Energie, die ich freisetzte, also nach unten. Tolle Nummer. Deshalb kommt der Weihnachtsmann auch nicht schon heute. Schafft der gar nicht. Liegt einfach irgendwo rum, der faule Sack. Obwohl man doch die Feste feiern soll, wie sie fallen. Vielleicht sollte man lieber da feiern, wo die Menschen fallen. Dann wäre überall und ständig Party. Wenn noch jemand die Kraft hat.

Ein erfolgreicher Mensch, der privat und beruflich erfüllt ist, dabei aber auch schön erholt und dass schnell schnell. Das will ich also sein. Das soll ich also sein. Und dabei soll ich mich auch noch ständig hinsetzen. Sitzen und was schaffen. Ruhig. Auf dem Boden. Sonst stimmt die Formel nicht mehr.

Also setzt ich mich jetzt mal hin und stelle meine Weltformel auf:

Ich= (Freunde*Liebe*Familie)*(Geld*Perspektive*Bildung)*(Träume*Abenteuer*Freiheit*Sicherheit)* warme Füße² – Schädliche Einflüsse (Vakuum also…)

Das Ganze ist aber bekanntlich immer mehr als die Summer seiner Teile. Selbst, wenn ich all das hätte, all das schaffen würde, würde immer irgendwas fehlen. Dauerhafte Zufriedenheit zum Beispiel! Und deshalb funktioniert die Formel auch nur, wenn man sie am ziemlich schlüpfrigen Ende des Regenbogens aufstellt.

Also, ihr Freunde, die ich nur selten zu haben glaube, du Familie, die zu weit weg ist, du Liebe, die hoffentlich die Reise überlebt, lasst und doch frei und abenteuerlich die Sicherheit am Ende des Regenbogens suchen und uns wohl gebildet und im Wohlstand schwimmend die Füße in Nerzpantoffeln wärmen.

Naaaa? Siehste, darum ist es ja auch die Weltformel. Dass Dinge nicht funktionieren, bis einer das Gegenteil beweist, wissen wir ja nun. Darum ist es auch nicht schlimm. Dass Dinge, die bisher angeblich funktionierten, plötzlich nicht mehr klappen, darf aber nicht sein.

Horden an Müttern, die anstandslos 28 Kinder gebaren, aufzogen und mit 2 Jobs á 60 Stunden die Woche ernährten, während sie auch noch glücklich Rosen pflanzend, das Haus in Schuss hielten.

Väter, die die Geschicke das Landes lenkten und das aus Gruben und von Baugerüsten aus und dabei mit ihren 112 Enkeln Fußball spielten und ein Liedchen pfiffen. Erhobene Zeigefinger überall, dass dies die einzige Geschichte sei, die sich wirklich unverfälscht so zugetragen hat. Eine Welle an Schuld, wenn man bezweifelt, dass diese Formel nicht auch eher die einer implodierenden Lüge war. Und selbst wenn unterstelle ich, dass das „mehr als die Summe seiner Teilchen“, nämlich die Zufriedenheit, hier genauso lange gesucht werden kann, wie das Ende des Regenbogens. Und trotzdem muss ich mitmachen. Sonst ist Endstation. Sonst Stimmt die Formel meiner Vorfahren und meine eigene nicht. Dann ist Chaos. Also Lichtgeschwindigkeit verdoppeln! Ich kann aber gar nicht mehr so schnell lesen, wie ich mich bilde muss. Gar nicht so schnell die Zeit anhalten, um mehr arbeiten zu können. Gar nicht mehr so schnell vögeln, wie ich Kinder gebären soll. Gar nicht so schnell die Mundwinkel nach oben ziehen, damit keiner merkt, dass ich unzufrieden bin.

Ich kämpfe heute nicht mehr ums äußere Überleben, das stimmt. Und ich bin froh darüber. Aber ich führe einen ganz anderen Kampf. Ich versuche, nicht innerlich zu kündigen. Und zwar dem Spaß am Dasein. Weil die Formel nicht aufgeht und ich mich schäme, dass ich der Geschichte aller Eltern dieser Welt nicht gerecht werden kann. Weil ich mich schäme, dass ich nicht Hunger leidend oder schwer krank froh darüber bin, überhaupt am Leben zu sein. Dass ich es wage, zu äußern, dass ich manchmal ganz schön angestrengt bin, auch wenn ich nur mein inneres Kind hüten muss, damit es nicht unter die Räder gerät. Weil sich die Zeiten geändert haben. Lichtgeschwindigkeit². Und deshalb würde ich auch nie jemandem sagen, dass ich nicht zufrieden bin. Schweigen. Und mit mir Millionen andere, die genauso schweigen.

Weil wir Dinge nicht schaffen, die wir schaffen sollte. Und wenn wir schon nichts schaffen, sollten wir wenigstens zufrieden sein.

Also befolge ich den Rat der Weisen und setze mich hin. Weil ich es zu Eilig habe, mich schlecht zu fühlen. Ich versuche, wenn schon nicht erfolgreich und erholt, wenigstens erfüllt zu sein. Pflanze Kräuter, die nicht schnell genug wachsen, versuche Abende zu genießen, die nicht schnell genug vorbei sind, treffe Menschen, die ich nicht schnell genug binden kann. Ich kann mich nicht von der Formel lösen. Der Versuch, meine innere Geschwindigkeit zu drosseln, scheitert schlussendlich daran, dass Einstein recht hat. Ich bin zu schwer, um leicht zu sein. Und immer noch zu schnell, auch wenn die Formel sagt, ich bin zu langsam. Zeit ist relativ. Wenn der Weihnachtsmann dann irgendwann mal kommt, wünsche ich mir diesmal nur Gelassenheit und Gewissheit, dass zumindest eine Formel stimmt: Erschöpfung= Märchen*(charmant, dass du dran glaubst*chancenlos, das Gegenteil zu beweisen) … und ein Paar Nerzpantoffeln.